[Rezension] Florian Beckerhoff – „Frau Ella“

Filterkaffee trifft Latte macchiato. Oder alt trifft neu bzw. neu trifft alt. So lässt sich die Handlung  von Florian Beckerhoffs Debütroman, „Frau Ella“,  am besten beschreiben.

Falls es jemand genauer wissen will – hier die  längere Version: Frau Ella ist stolze 87Jahre alt  und hat ihr Leben schon so gut wie hinter sich.  Sie hat vieles erlebt, viele Erfahrungen gemacht,  das müsste doch schon eigentlich reichen. Aber  Frau Ella liegt im Krankenhaus, da sie am Auge  operiert werden soll, um ihr Leben mit zwei  funktionierenden Augen zu beenden. Im  Krankenhaus trifft sie auf Latte macchiato – in  Form von Sascha, der ungefähr Mitte zwanzig ist –  knapp 60 Jahre jünger als Frau Ella. Auch Sascha soll am Auge operiert werden. Zunächst ist ihm Frau Ella, wie er Ella Freitag nennt, gar nicht sympathisch, sondern eher eine schwere Last. Doch als er zusehen muss, wie die Ärzte Frau Ella „Drogen“ verabreichen, um sie dazu zu bringen, ein Dokument zu unterschreiben, entführt er Frau Ella und bringt sie zu sich nach Hause.

Als Frau Ella bei Sascha in der Wohnung aufwacht, mit nur einem Nachthemd bekleidet, ist sie zutiefst verwirrt. Die Wohnung ist unordentlich, in der Küche stapelt sich das schmutzige Geschirr, es läuft seltsame Musik und erst die Art wie Sasche Frühstück vorbereitet! „Musikalische Eier“ und -na?! – „Latte Macchiato“, statt Frau Ellas geliebtem, seit 80 Jahren, Filterkaffe. Doch Frau Ella erholt sich schnell von ihrem Schock. Die Eier sind Sascha gelungen, sie sind sogar „exzellent“ und der „Filterkaffee mit macchiato“ schmeckt auch „exzellent“. Auch Saschas Freunde, Klaus und Ute, die wegen den Steuern miteinander verheiratet sind, findet Frau Ella sehr nett.

Und so lernt Frau Ella mit ihren knapp 90 Jahren die „neue Generation“ kennen, sie macht immer noch neue, tolle Erfahrungen und merkt, dass sie doch noch leben kann, Spaß haben kann. Dank Sascha, Klaus und Ute. Aber vor allem dank Sascha. Umgekehrt profitieren auch die Jungen von der Seniorin. Sie erfahren vieles über das frühere Leben, Lebensweisheiten und haben selbst viel Spaß.

„Frau Ella“ zeigt vorzüglich wie unterschiedlich zwei Generationen sind, aber auch wie vieles sie gemeinsam haben. Dass „alte Leute“ nie „schwere Last“ sind, sondern eher eine Bereicherung für die jungen Leute, die man heutzutage aber leider immer weniger wahrnimmt oder schätzt.

Beckerhoffs Schreibstil ist anders. Nicht konventionell – aber trotzdem leicht zu lesen und, vor allem, liest man es gerne. Er versteht es, mit Worten die Gefühle der Protagonisten dem Leser zu vermitteln, eine Gabe, über die nicht jeder verfügt.

Somit ist Beckerhoffs Debüt erfolgreich gelungen – in allen Punkten. Muss man nur noch hoffen, dass es viele weitere, genauso gute, wenn nicht bessere Romane geben wird.

5ballerinas

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