[Rezension] P.C. & Kristin Cast – „Erwählt“

„Erwählt“, der dritte Band aus der ‚House of Night‘-Reihe des Mutter-Tochter Gespanns, P.C. und Kristin Cast, spielt nur zwei Monate nach dem Zoey Redbird gezeichnet worden ist.

Nachdem sie erst vor kurzem ihren Menschenfreund Heath aus den Fängen blutrünstiger untoter Jungvampyre befreit hat, ist nun der 24. Dezember – Weihnachten und Zoeys Geburtstag. Schon an diesem Tag läuft für Zoey alles nicht so, wie es sein sollte und ihre Freunde und ihr Vampyrfreund Erik, sind von ihr enttäuscht. Nun bietet ihr der gutaussehende Vampyr und Lehrer am House of Night, Loren Blake, den bitter benötigten Trost und Zuspruch. Darauf folgt ein seitenlanges Gejammere darüber, wie schlecht es Zoey doch mit ihren drei Verehrern geht und dass sie sich so alleine fühlt – mit drei Freunden und einer Herde von guten Freunden, die wie eine Familie für sie sind – ein wenig widersprüchlich.


Doch um sich von ihren Freunden abzulenken, macht sie sich auf die Suche nach ihrer besten Freundin, der untoten, oder wieder auferstandenen Stevie Rae (siehe Band 2, „Betrogen“). Zoey weiß, dass Neferet dafür verantwortlich ist, was aus Stevie Rae und den andern Vampyren geworden ist, doch diese ist zur Zeit nicht am House of Night und so kann Zoey sich unbekümmert um Stevie kümmern. Sie appelliert an die noch übrig gebliebene Menschlichkeit in Stevie und schafft sie an einen sicheren Ort und versorgt sie mit Blutbeuteln, damit sie keine Menschen mehr töten muss. Der sichere Ort ist nichts weiter als die Wohnung von Aprodites Eltern. Aphrodite ist oder besser gesagt, war, Zoey Feindin und eine gehässige Zicke oder ‚Hexe‘, wie sie gern von Zoeys Freunden genannt wird. Doch es hat sich schon im vorherigen Band herausgestellt, dass Aphrodite eine besondere Begabung – Visionen – hat, ohne die Zoey niemals ihr Großmutter oder Heath hätte retten können. Nun zeigt sich, dass Aphrodite zu dem eine Affinität zur Erde hat und somit Stevie Rae bei den Riten der Töchter der Dunkelheit ersetzen kann. Bei Zoeys Freunden stößt dies nicht gerade auf die größte Freude, doch als angehende Hohepriesterin muss Zoey Aphrodite akzeptieren und in den Schülerrat mit aufnehmen. Aphrodite stellt sich nun als perfekte Verbündete im Kampf gegen Neferet heraus, da sie die Einzige neben Zoey ist, die Neferts wahres Ich kennt. Und nur sie weiß noch von dem, was die verstorbenen Vampyre geworden ist. Allerdings ist Stevie Rae nicht ihr einiges Problem, denn die beiden Mädchen entdecken eines Abends die geköpfte Leiche von Professor Nolan – der Täter lässt darauf schließen, dass er von den Gottesfürchtigen gewesen ist – zufällig der Glaubensgemeinschaft, der Zoeys Mutter und ihr Ehemann so leidenschaftlich zugetan sind.

Jede Menge Probleme für den jungen Teenager, die es zu lösen gilt. Von der Handlung habe ich mir ehrlich gesagt mehr versprochen – in „Gezeichnet“ und „Betrogen“ ging es doch um einiges spannender zu als in „Erwählt“. Apropos: der Titel sagt über das Buch selbst nicht viel aus. Die vorherigen Titel ergaben noch Sinn, aber ‚erwählt‘ kann so vieles bedeuten, dass er mir ein wenig unpassend erscheint.

Doch was mich hauptsächlich gestört hat, ist die Protagonistin selbst. Zoey ist ständig am nörgeln. Ihr Gejammer bezieht sich vor allem auf ihre drei tollen Freunde – Erik, Heath und Loren. Sie macht sogar eine Liste, mit welchem sie wohl besser Schluss machen sollte und tut dies doch nicht. Statt mit Heath Schluss zu machen, bindet sie ihn nur noch mehr an ihn, statt sich Erik anzuvertrauen, der Zoey als Einziger nur ihretwegen zu lieben scheint, vertraut sie lieber ihrem Lehrer, Loren, bei dem sie sich verstanden und wie eine ‚richtige Frau‘ fühlt – ist das ehrlich so toll? Man hat einfach den Eindruck, dass die beiden Autoren um jeden Preis bei den Teenagern von heute ankommen möchten. Sie denken, wenn man die Probleme eines typischen Mädchen darstellt, können sich die Jugendlich mit ihnen identifizieren – doch es ist meiner Erfahrung nach sehr fragwürdig, ob wirklich die meisten Mädchen Zoeys Probleme haben – vielleicht hatte sie Kristin Cast selbst in ihrer Jugend? Gemeint sind natürlich die drei Verehrer und das riesige Problem: wen wähle ich nun aus?! Die Werte der Liebe, des Verliebt-Seins werden hier keinesfalls übermittelt – dabei sollte man sich doch daran eben am ehesten halten, wenn man ein Jugendbuch schreibt, oder nicht?

Was mir auch sehr zu schaffen macht, ist die schrecklich erzwungende und niveaulose Jugendsprache, die im ersten Band noch von einer guten Handlung wieder wettgemacht wurde, doch hier tritt sie doch zu deutlich in den Vordergrund. Ausdrücke wie ‚cool‘ oder ‚geil‘ werden in jeden zweiten Satz eingebaut und passen schlichtweg nicht in die Handlung. Mag sein, dass man heutzutage so sprechen mag, aber bisher ist man in Büchern doch auch gut ohne jugendlichen Slang ausgekommen und das mit Grund. Denn alle, die nicht so sprechen, werden dadurch nahezu dazu verleitet.

Das Buch endet schließlich doch sehr schnell, eigentlich gerade dann, als es nach über 300 Seiten endlich anfängt halbwegs spannend zu werden. Angehängt daran: die ersten beiden Kapitel von „Ungezähmt“, dem vierten Band der House of Night-Serie. Die Zeit wird zeigen, ob ich mir diesen noch antue, denn bisher hatte ich keinen besonders guten Eindruck der Reihe. „Gezeichnet“ war noch lesenswert, „Betrogen“ ging auch noch, aber „Erwählt“ verdient nicht mehr als ein ‚Okay‘ oder etwas in die Richtung. Da es keine 2 1/2 Sterne zum Vergeben gibt, bekommt „Erwählt“ nun doch 3 Sterne, doch ich habe leider die Befürchtung, dass „Gezähmt“ 2 Sterne ergeben könnte – aber ich lass mich auch gern überraschen.

[- Und was die Aussage angeht, dass „House of Night“ das neue „Hogwarts für Vampire“ sei, so ist das schlichtweg eine Beleidigung für die Autorin der Harry Potter – Bände.]

3Ballerinas

Ein Gedanke zu “[Rezension] P.C. & Kristin Cast – „Erwählt“

  1. Die Reihe habe ich auch gelesen – sogar komplett, aber es wurde immer schlechter und man merkte richtig, wie die Handlung künstlich gestreckt wurde, um auf die zwölf Bände zu kommen…Kann man sich wirklich sparen!

Ich freue mich, wenn ihr meinen Beitrag kommentiert!

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