[Rezension] Nora Miedler – „Aschenpummel“

Die 32-jährige Teddy Kis ist ein Aschenpummel. Nicht dünn genug, nicht hübsch genug, Jungfrau, unerfahren und verliebt ist sie. Verliebt in den Piraten – den Buchhändler gegenüber ihres Schuhgeschäfts, in dem sie seit 15 Jahren arbeitet, und der eine Augenklappe trägt. Seit vier Monaten kauft sie jeden abend bei ihm ein neues Buch. Geredet wird aber nicht, das kann Teddy nicht, dafür ist sie viel zu schüchtern. Dann ist da noch ihre Familie: die ältere Schwester Tissa, Dr. Psychologin, bei Männern beliebt und auch noch hübsch anzusehen. Und die Mutter, die zwei Stockwerke unter Teddy wohnt, diese die ganze Zeit über nur beschimpft und überhaupt nur rumjammert. Irgendwann beschließt Teddy, dass sie endlich anfangen muss zu leben, wirklich zu leben und nicht das weiterführen, was bisher ihr Leben war.

Auf der einen Seite haben wir eine ewig herumjammernde unattraktive Frau, die ihre besten jungen Jahre völlig ereigsnislos verbracht hat und die sich partout nicht von ihrer Mutter losreißen kann, die sie in ihrem negativen Selbstwertgefühl täglich nur noch mehr ‚bestärkt‘. Doch auf der anderen Seite sehen wir eine Frau, die ihr bisheriges Leben nicht genießen konnte und die sich in ihrem Körper einfach nicht wohlfühlt. Trotzdem oder gerade deswegen möchte jetzt auch sie mal verliebt sein und einen Mann finden, der sie so akzeptiert und liebt, wie sie ist. Doch dazu muss sie sich erst einmal selbst akzeptieren und mögen.
Dieser Weg gefällt mir hier besonders: der Weg vom bemitleidenswerten Jammerlappen zu einer gesunden Durchschnittsfrau, die sich selbst mitsamt aller Macken akzeptiert und so auch schließlich von allen anderen gemocht wird.

Erfrischend ist es eigentlich schon, mal keine perfekte weibliche Protagonistin bei ihrer Suche nach dem perfekten Mr. Right zu erleben. Hier kann sich jede deutsche 0815-Frau in irgendeiner Form wiedererkennen und etwas von der etwas schrulligen, ins Fettnäpfchen tretenden Teddy Kis lernen.

Trotzdem finde ich besonders den ersten Teil des Romans eher langweilig und nervtötend, eben durch diese ewige Jammerei – klingt fies, ist aber nun mal so. Auch der Schreibstil von Nora Miedler ist so durchschnittlich wie deren Protagonistin. Passend zwar, aber icht unbedingt dem Lesevergnügen förderlich. Dafür rettet der Inhalt der zweiten Hälfte des Romans und fesselt den Leser sogar ein wenig, weil man die Protagonistin nun auf einmal zu mögen anfängt und hofft, dass diese endlich aus ihren Elend hervorkommt.

Sehr empfehlenswert für Frauen mit niedrigem Selbstwertgefühl, wer aber gerne von perfekten Frauen und der Suche nach Mr. Right – also typische Chick-Lit – liest, solte hiervon lieber die Hände lassen.

2Ballerinas

Ich freue mich, wenn ihr meinen Beitrag kommentiert!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s