[Rezension] Susanne Fröhlich – „Lackschaden“

In ihrem neuesten Roman erzählt Susanne Fröhlich davon, was passiert oder was passieren kann, wenn man als Frau in die Wechseljahre kommt, die Kinder mitten in der Pubertät sind und der Mann nicht mehr als große Liebe betrachtet werden kann, sondern als Alltag. Was passiert, wenn man selbst und die Familie zu etwas alltäglichen wird, wenn der Lack langsam aber unausweichbar anfängt abzublättern?

Andrea Schnidt – als Frau ihres Mannes muss sie schnell mal ein Abendessen herzaubern, weil ER ja Freunde zum Abendessen eingeladen hat – Freunde, die SIE überhaupt nicht leiden kann. Die Tochter wird von einem Tag auf den anderen zur Veganerin und meint, nicht mehr zur Schule gehen zu müssen. Wenn die Mutter das nicht versteht oder darauf keine Rücksicht nimmt, wer ist die Schuldige? Natürlich SIE. Auch für den 13-jährigen Sohn hat SIE kein Verständnis, macht komisches Essen, erlaubt nichts und verschlampt auch noch seine Sportschuhe. Der Schwiegervater (SEIN Vater) besteht darauf, dass SIE so bald wie möglich seine Trauerrede verfasst, denn schließlich hat er nicht mehr lange zu leben, jeden Moment kann es so weit sein – meint er. Die Freundinnen machen alles besser, sehen besser aus und denen fällt ja sowieso alles leichter. Dazu noch ständig diese Stimmungsschwankungen und das Gefühl, dass man als Frau und Mutter nur ausgenutzt wird – das macht momentan das Leben von Andrea Schnidt aus.

Schonungslos ehrlich erzählt Susanne Fröhlich wohl oder übel die traurige Wahrheit. Dies ist kein schön geträumter Chick-Lit durch eine rosarote Brille, sondern die pure Realität. Meine Mutter, 43 und auch Mutter von zwei Kindern – mit mir ist sie mit der Pubertät durch und ich war wirklich anstrengend; mein Bruder kommt mit 13 Jahren genau jetzt rein – meinte, dass sie Andrea Schnidts Handlungen und Gedanken sehr gut nachvollziehen kann, auch wenn es bei ihr nicht ganz so drastisch sei. Noch ist sie – glücklicherweise – nicht in den Wechseljahren und mein Vater ist ihr glücklicherweise auch meistens ein guter Ehemann – auch wenn’s, was Kochen und Putzen angeht, es doch Andrea Schnidt’s Leben sehr änhlich aussieht.

Ich persönlich fand es doch sehr erschreckend, wie sehr pubertäres Verhalten den Müttern zusetzen kann, auch wenn man es sich natürlich denken kann. Sollte ich jemals Kindern bekommen, kann ich mir gut vorstellen, dass solch ein Verhalten mich auch wahnsinnig nerven würde.

Aber umso mehr mag ich Fröhlichs witzigen, leicht ironischen Schreibstil – da fühlt sich jede durchschnittliche Frau wohl und nicht ganz so schlecht, als wenn man typische Chick-Lit liest. Vor allem aber toll, dass sich jemand auch mal mit dem Thema beschäftigt, was 20 Jahre nach einer Hochzeit passieren kann!

4Ballerinas

Ich freue mich, wenn ihr meinen Beitrag kommentiert!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s