[Rezension] Alexandra Tobor – „Sitzen vier Polen im Auto“

In „Sitzen vier Polen im Auto“ erzählt Alexandra Tobor, wie sie, wohnhaft auf dem polnischen Land, zum ersten Mal einen Quelle-Katalog sieht, sich sofort in diese BRD verliebt und davon träumt, auch einmal in dieses Traumland zu reisen.

Ola hat mit ihren jungen 8 Jahren noch nie zuvor von der BRD oder „Dojczland“ gehört, bis ihr Onkel eines Tages mit neuen Kleidern und einem neuen Riesenauto – einem Mercedes – aus Deutschland angereist kommt. Auch eine Schulkameradin sticht dadurch hervor, dass sie ganz andere Kleider trägt und ein viel hübscheres Federmäppchen besitzt, da ihr Vater bereits in Deutschland arbeitet – bald zieht auch die Familie nach. Ola sammelt leere Haribo-Verpackungen und Coca-Cola-Dosen als wären es kostbare Schätze aus einer anderen Welt. Mit dem Glauben, dass Gummibärchen in diesem Land auf Bäumen wachsen und Geld auf der Straße liegt, träumt sie davon, auch einmal in dieses Land zu ziehen.

Und eines Tages ist es schließlich fast soweit: mit ihren Eltern und ihrem Bruder Tomek fährt sie in einem Maluch los, um Onkel Marek zu besuchen. Erst geht es in die DDR, dann in die BDR. Der erste Schock ist ein deutscher Gottesdienst, der mit einer polnischen Messe unvergleichbar ist (auch ich finde das unvergleichbar!), doch nach anfänglichen Schwierigkeiten beschließt die Familie, in Deutschland zu bleiben. Ein Emigrantenlager mit drei Mahlzeiten aus einer Aluschale ist für die polnische Familie bereits dem Paradies nahe. Und so beginnt die Geschichte, wie sich eine polnische Familie, die kein Deutsch kann, so langsam in Deutschland niederlässt und sich ein neues Zuhause schafft.

Für mich persönlich ist diese Geschichte mehr als nur eine Geschichte. Sie behandelt wohl die Gefühle und das Leben vieler Polen, die Anfang der 90er Jahre nach Deutschland ausgewandert sind – so wie meine Eltern. Auch mein Vater hat leere Cola-Dosen gesammelt, eine ganze Sammlung hatte er damals, erzählt er mir. Und für meine Mutter waren die Kleider aus der DDR, die ihr jemand mitgebracht hatte, so kostbar wie zehn Diamanten. Und auch sie sind direkt nach der Hochzeit mit ihrem Maluch ins Ungewisse gefahren. Erst nach Berlin, dann auch in ein Lager, dann kam auch eine Sozialwohnung mit vielen anderen Ausländern, der Deutschkurs, usw. Für mich waren es nur Erzählungen meiner Eltern, doch jetzt kann ich mir deren Geschichte noch mehr vorstellen – vor allem wie schwer es doch sein musste, ohne die Familie und ohne das gute polnische Essen – was einfach sehr viel besser ist, als deutsches!

Eine sehr rührende und realitätsnahe Geschichte, die den Lesern hohe Familienwerte vermittelt und einen beeindruckenden Zusammenhalt der Familie und der Menschen. Wären viel mehr Menschen weltweit so, gäbe es eventuell eine bessere und friedlichere Welt.

5ballerinas

 

3 Gedanken zu “[Rezension] Alexandra Tobor – „Sitzen vier Polen im Auto“

  1. was für eine schöne und emotionale Rezi, das Buch liegt auch schon auf meiner Liebäugeliste, aber es gibt ja kaum Rezensionen dazu, deshalb bin ich froh auf deine gestoßen zu sein. übrigens bklick ich nicht wirklich wie ich dir folgen kann, für das PInterest muss man sich anmelden, oder?Folge dir jetzt erstmal via mail ^^

    • Ja für Pinterest braucht man einen FB- oder Twitteraccount. Da ich keinen Googleaccount zum Folgen habe, geht’s glaub nur über das Follow-Dings von WordPress – das ist wahrscheinlich das, was du mit Mail meinst ;)

      Aber vielen Dank! :)

Ich freue mich, wenn ihr meinen Beitrag kommentiert!

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