[Rezension] E.L. James – „Shades of Grey: Geheimes Verlangen“

Die Trilogie um die „Shades of Grey“ – Bücher, die übrigens auf einer Twilight-FanFicton basieren – schlug in den USA und UK wie ein Blitz ein und übertrumpft sogar „Harry Potter“ oder Dan Browns „Das Symbol“, was die Nachfrage angeht. Auch in Deutschland wird heiß diskutiert darüber, dass dieses Buch schärfer als jedes Porno sei. Was aber hat die schottische Autorin E.L. James wirklich geschaffen?

Der erste Band, der im Deutschen den Nebentitel „Geheimes Verlangen“ trägt, beginnt ganz simpel mit dem Kennenlernen von der 21-jährigen, unerfahrenen und tollpatschigen Literaturstudentin Anastasia Steele und dem sechs Jahre älteren, reichen, erfolgreichen Unternehmer Christian Grey. Ana vertritt ihre beste Freundin bei dem Interview mit Grey und schon als sie ihn zum ersten Mal sieht, spürt sie ein unbändiges Verlangen nach ihm. Es knistert zwischen den beiden und einen Tag später besucht Grey sie sogar, rein zufällig natürlich. Grey, ein ziemlicher Kontrollfreak wie von Ana genannt, ist von der unschuldigen Ana fasziniert, sorgt sich um ihr Wohlergehen, so kauft er ihr teure Geschenke und holt sie sogar von einer Studentenparty ab, damit ihr ja nichts geschieht. Eines Abends ist es schließlich soweit, Grey fliegt Ana mit seinem Hubschrauber zu sich nach Hause, wo er ihr eines seiner großen Geheimnisse offenbart. Ein Spielzimmer, oder Kammer der Qualen, welches für Bondagespielchen jeglicher Art geeignet ist und noch viel mehr. Um aber sich dadrin mit Grey austoben zu können, muss Ana einen Dom-Sub-Vertrag unterschreiben, der es in sich hat. Denn Grey will nur Ana als seine Sub – doch Ana wiederum verliebt sich nach und nach in ihn…

Schon in den ersten Kapiteln fällt Anas schrecklich naive Art sehr negativ auf. Gut, sie ist unerfahren und Jungfrau, was ja nicht schlimm ist, ab er dann nur vom Anblick eines schönen, reichen Mannes nahezu in Flammen aufgehen? Nun, im wahren Leben gibt es sowas (leider) nicht. Auch die Tatsache, dass sie mit 21 Jahren, nach vier Jahren Studium und im heutigen Zeitalter (die Handlung spielt im Jahr 2011) keine eigene E-Mail-Adresse besitzt, ist leider ziemlich unglaubwürdig. Die erste Sexszene, die auch nicht unbedingt erotischer oder „schärfer“ ausfällt als in anderen „normalen“ Romanen, stellt Anas Empfindungen auch wieder zu übertrieben und unglaubwürdig dar. Danach wird Ana dem Leser zwar eventuell ein wenig sympathischer, in dem sie sich Grey auch mal widersetzt, doch gegen Ende fällt auch dieser Eindruck wieder ab.
Christian Grey hingegen ist das pure Selbstbewusstsein und das zieht auch den Leser fast schon magisch an. Diese tiefgründige, dunkle Fassade macht anfangs sehr neugierig, doch auch sein positiver Eindruck fällt mit der Handlung immer negativer aus. Leider.

Der Schreibstil ist hier sehr, sehr einfach gehalten – vergleichbar mit „Twilight“ – und ist im Präsens geschrieben, was relativ ungewöhnlich ist. Doch dadurch liest es sich sehr gut und vor allem auch sehr schnell. Was irritierend ist, ist wie sehr die Handlung seinen Leser fesselt. Egal wie sehr man unzufrieden mit den Charakteren ist oder mit der Handlung, das Buch kann man nur sehr schwer aus der Hand legen. Es ist trotz allem faszinierend.

Leider steckt beim näheren Hinsehen nachdem man das Buch ersteinmal verdaut hat, keine besonders nennenswerte Handlung in den 600 Seiten. Die beiden lernen sich kennen, dann begegnen sie sich immerzu, er macht ihr Geschenke, er ist wütend auf sie. Und dazwischen haben sie Sex.

Um auf die erotischen Szenen zu kommen, die die Gemüter weltweit erhitzt haben: nach den Diskussionen und das Aufsehen um das Buch, habe ich mir sehr viel schlimmere Szenen und Details vorgestellt. Aber eigentlich gibt es nur drei Szenen im besagten Spielzimmer, welche auch nicht so verrucht sind und auch die anderen Sexszenen sind für mich persönlich mit denen in gewöhnlichen Frauenromanen oder der Romantic-Fantasy vergleichbar. Manchmal fand ich sogar, dass in den Romantasy-Romanen weitaus umfangreichere Details beim Sex beschrieben wurden als hier in einem „Erotikroman“.

Eine gewisse Faszination und Anziehung von „Shades of Grey“ lässt sich bestimmt nicht leugnen, aber diese Faszination verliert ihren Reiz mit flachen Charakteren, einer flachen Handlung und einem noch einfacheren Schreibstil. Es ist nur schwer vorstellbar, was sich in den Folgebänden noch groß ereignen soll, was man hier schon nicht gelesen hat.

In den USA mag die Erotik in der Handlung vielleicht überraschen, aber hier finde ich das Buch auch nicht unbedingt erotischer als andere Romane, die nicht im Genre Erotikroman angesiedelt sind. Den Hype und die wahnsinnig große Nachfrage ist für mich nicht nachvollziehbar. Wie kann so etwas einen wirklichen Weltbestseller wie „Harry Potter“ schlagen? Nun ja, klassischer Fall von Mainstream. Einer hat angefangen, alle lesen es. Aber wenigstens finden es nicht alle gut.

2Ballerinas

 

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