[Rezension] Renate Ahrens – „Ferne Tochter“

In einer Stadt, in der Vergangenheit und Gegenwart sich so sehr vermischen, lebt Judith gemeinsam mit ihrem Ehemann Francesco. Eines Tages bekommt sie einen Anruf. Einen Anruf aus ihrer Vergangenheit…

Seit 20 Jahren hat Judith nicht mehr deutsch gesprochen, nicht seitdem sie von Zuhause, das kein richtiges Zuhause mehr für sie war, ausgerissen ist. So lange hatte sie keinen Kontakt zu ihren Eltern oder irgendjemanden aus ihrem früheren Leben. Sie hat sich in Rom ein neues Leben aufgebaut und ihre jetzige Familie, Francesco und dessen Familie, wissen nur sehr wenig aus Judiths Vergangenheit. Doch nach einem Anruf einer alten Freundin aus Hamburg, bekommt Judith keine seelische Ruhe mehr und fliegt so nach Hamburg, um sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Sie wird damit konfrontiert, dass ihre Mutter schwer krank ist und dass ihre Tochter nach ihr gesucht hat. Die Tochter, die sie mit siebzehn Jahren zur Adoption freigegeben hat. Und von der in Rom keiner etwas weiß. Nicht einmal Francesco, mit dem sie bereits seit Jahren versucht, ein Kind zu bekommen.

„Ferne Tochter“ von Renate Ahrens ist ein sehr berührender und zärtlich geschriebener Roman. Anfangs verwirrt durch den Schreibstil, relativ kurze, abgehackte Sätze zwischendurch, findet man doch schnell in den Lesefluss hinein. Die Handlung spielt sich relativ sanft ab und ist nicht vorhersehbar, wodurch man fast schon automatisch die Seiten wieder und wieder umblättert ohne zu lesen aufzuhören. Die Autorin selbst bezeichnet Rom als ihre Lieblingsstadt und versteht, nach einer schweren Krankheit, die Problematik keine Kinder bekommen zu können. Diese Aspekte sind in ihrem Roman deutlich nachvollziehbar und schaffen es, meiner Meinung nach, so sehr viel realer zu wirken.

Mit „Ferne Tochter“ hat die Autorin einen Roman geschaffen, der seine Leser nicht nur berührt, aber auch zum Nachdenken anregt und deutlich macht, welchen Stellenwert die Familie in unserem Leben einnimmt. Und dass man nie vollkommen vor seiner Vergangenheit fliehen kann bzw. es gar nicht versuchen sollte. Denn Vergangenheit und Gegenwart vermischen sich. Immer. Denn die ist es, was uns prägt.

4Ballerinas

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