[Rezension] Emmy Abrahamson – „Widerspruch zwecklos oder Wie man eine polnische Mutter überlebt“

widerspruch_zwecklos_oder_wie_man_eine_polnische_mutter_ueberlebt-9783423625487Mit einer polnischen Mutter hat Alicja in Schweden kein leichtes Leben. Schon gar nicht, wenn man erst fünfzehn Jahre alt ist, der Vater nie daheim ist und der ältere Bruder in der Weltgeschichte umherreist. So konzentriert sich Mutters ganze Aufmerksamkeit auf Alicja.

Wieso Widerspruch zwecklos ist bei polnischen Müttern? Nun, sie selbst wurden so von ihren Mütter und Großmüttern erzogen, haben idealerweise auch noch sieben Schwestern, die sich exakt gleich verhalten. Polnische Mütter kennen alle 1534 Hausmittelchen gegen nahezu alle Wehwehchen – so kenne ich persönlich gegen Husten keine andere Medizin außer selbstgemachten Zwiebelsaft mit Honig und Zucker. Achso, ja, auch ich habe eine polnische Mutter (plus poln. Vater) und ich habe sehr gelacht, als nach wenigen Seiten klar wurde, dass Alicjas Mutter den gleichen Namen trägt wie meine: Beata. Meine Mama Beata kann aber wenigstens wirklich gut kochen und zerkocht glücklicherweise nichts, genauso wenig wie sie beim Käse den Schimmel wegschneidet und diese Stücke dann für die Lasagne verwendet. Doch wie Alicjas Mama werden die Probleme der Tochter unter allen Bekannten und zufälligen Mitmenschen verbreitet und ausdiskutiert. Leider sind polnische Mütter auch viel zu hilfsbereit – und ziehen ihre Töchter generell immer dazu, helfen, helfen wo es nur geht. Sommerferien? Die sind generell dazu da, um das gesamte Zimmer neu zu gestalten, endlich ordentlich durchzuputzen oder Gartenarbeiten zu erledigen. Die arme Alicja muss das Haus zudem noch mit ungewollter Verwandtschaft und illegalen Handwerkern aus Polen (es gibt keine besseren!!) teilen. Zudem scheint sie Gefühle für ausgerechnet den Jungen entwickeln, in den ihre beste Freundin verliebt ist… nun ja, eine polnische Mutter gepaart mit den alltäglichen Problemen eines Teenagermädchens – das ist nicht schön. Aber dafür herrlich komisch!

„Widerspruch zwecklos oder Wie man eine polnische Mutter überlebt“ ist der erste Roman der Autorin Emmy Abrahams und als ich den Titel zum ersten Mal las, war ich erst einmal vollkommen geschockt. Das ist schlichtweg der beste und interessanteste Buchtitel, den ich jemals gelesen habe – gleichzeitig drückt er schon so viel Wahres aus: Widerspruch bei einer polnischen Mutter IST zwecklos! Leidet man selbst unter den Launen einer solchen Mutter, entdeckt man unentwegt viele Parallelen, bei denen man gleichzeitig lachen und weinen muss, doch auch wenn man keine Polin ist oder kennt, wird sich jeder Leser hier köstlich amüsieren. Ein Kulturenclash der besten Art, gepaart mit Generationenkonflikten, ergibt eine abwechslungsreiche, spannende und köstlich amüsierende Handlung von der ersten Seite bis zum Schluss. Die Autorin schafft hier viele unterschiedliche Charaktere, die so vielseitig und anders sind, aber trotzdem gelungen gemeinsam in dieser verworrenen Geschichte agieren. Hinzu kommt ein leichter und flüssiger Schreibstil mit einigen wenigen polnischen Ausdrücken zwischendurch, der mich den Roman in einem Rutsch durchlesen ließ.

Doch trotz der ganzen Wut und Hilflosigkeit gegenüber solch einer Mutter, bleibt am Ende ein überaus wichtiger Gedanke hängen: egal, wie sehr eine polnische Mutter (und wahrscheinlich nicht ausschließlich eine polnische…) ihre Tochter in den Wahnsinn treibt – sie tut dies einzig aus der Liebe zu ihrem kleinen Mädchen und aus Sorge um deren Wohlergehen. Sie versteht die Tochter aus ohne dass diese etwas sagen oder die Mutter erst anschauen muss. Im rechten Augenblick ist sie für ihre Tochter da und tut alles in ihrer Macht stehende, um sie zu verteidigen, ihr zu helfen, die Scherben des Lebens aufzukehren und zusammenzukleben. Und wenn es eines gibt, was ich in den zweiundzwanzig Jahren mit meiner polnischen Mutter gelernt habe: Mütter haben immer Recht, ob es uns gefällt oder nicht. Natürlich wehren wir uns dagegen, aber letztendlich kommt es immer dazu, dass wir uns eingestehen müssen: SIE hatte mal wieder Recht. Trotzdem muss jede Tochter ihre eigenen Fehler machen und das wissen die Mütter meistens auch – davon abhalten, uns von den Fehlern zu beschützen, tut dies aber nicht.

So ist für mich dieser Roman eine herrlich amüsante, schräg-komische Ode an alle polnischen und nicht-polnischen Mütter dieser Welt, die das Leben ihrer Töchter zwar manchmal schwer machen, aber doch immer und bis zum Ende bereichern und erträglich machen. Doch so zum Spaß werde ich dieses Buch jetzt erst einmal meiner wichtigsten Person im Leben zum Lesen schicken: meiner Mutter. 

5ballerinas

2 Gedanken zu “[Rezension] Emmy Abrahamson – „Widerspruch zwecklos oder Wie man eine polnische Mutter überlebt“

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