[Rezension] Anne Hertz – „Flitterwochen“

9783426213513So einige Bestseller hat das Geschwister-Autorenpaar Anne Hertz schon veröffentlicht und ausnahmslos alle Romane haben viele begeisterte Anhänger gefunden, darunter auch mich. Auch der neueste Roman, „Flitterwochen“, verspricht eine spannende und lustige Handlung, mit eine Schuss Romantik – und ich wurde definitiv nicht enttäuscht!

Für Grundschullehrerin Tine ist es bald soweit: In etwa zwei Tagen fliegt sie mit ihrem Verlobten Alexander über die Osterfeiertage auf die Seychellen, um ihn dort zu heiraten. Eine große Hochzeitsfeier für Familie und Freunde möchte Alexander nicht, deswegen heiraten sie ganz alleine zu zweit am warmen Strand. Bevor es aber dazu kommen kann, muss Tine noch in die Bank und Geld holen. Am Schalter nimmt dann das Unglück seinen Lauf: während eine ältere Dame, Gerda, 20.000 Euro ausgezahlt bekommt, klingelt Tines Handy und bei dem Versuch, in ihrer großen Tasche ihr Handy zu finden, zieht sie als Allererstes die vor wenigen Stunden einkassierte Spielzeugpistole aus der Tasche. Nicht unbedingt die beste Idee, wenn man sich gerade in einer Bankfiliale befindet. So halten schnell alle Mitarbeiter und Kunden Tine für eine Bankräuberin und Gerda deklariert sich kurzerhand zur Geisel. Statt die ganze Sache schnell aufzuklären, flüchten Tine und Gerda. Der Plan? Gerda möchte unbedingt und unverzüglich mit Tine an die Ostsee, um dort die Asche ihres verstorbenen Mannes ins Meer zu streuen. Erst danach ist sie bereit, mit Tine zur Polizei zu gehen und das zugegebenermaßen große Missverständniss aufzuklären. So kommt eins zum anderen und plötzlich wird Tine nicht nur von der Polizei gesucht, sondern befindet sich an der Osterfeiertagen mit Gerda und ihrem Pfleger Jan an der Ostsee in Polen – bei Jans polnischer Großfamilie…

Auch diesmal enttäuscht das Autorenduo absolut nicht – „Flitterwochen“ erzählt eine turbulente, aber vor allem sehr lustige Geschichte. Besonders die polnische Großfamilie und die dazugehörigen kulturellen Gepflogenheiten stehen im Vordergrund und bringen Tine des öfteren ganz durcheinander. Positiv anzumerken ist, dass alle österlichen Brauchtümer in Polen korrekt wiedergegeben werden, sprachlich alles seine Richtigkeit hat und auch sonst alles insgesamt scheinbar recht gut recherchiert wurde. Da wird das wundervolle polnische Essen hochgelobt, genauso wie der sehr große und wichtige Familiensinn und die Gastfreundschaft der Polen.

Leider scheint es für mich aber, dass Tine als Protagonistin doch recht häufig die Polen mit allen möglichen Vorurteilen konfrontiert und all die für die Polen wichtigen Traditionen scheinbar nicht ernst nimmt, diese sogar stellenweise ins Lächerliche zieht. Für einen Roman ist das natürlich alles absolut nebensächlich, macht es mir als Polin aber die Protagonistin nicht unbedingt sympathischer. Ganz im Gegenteil: Tine wirkt auf mich im Laufe der Handlung immer naiver und egoistischer. Dafür sind mir Jan und Gerda gleich sehr ans Herz gewachsen. Jan mit seiner durchweg positiven Art und für den der Familienfrieden an erster Stelle kommt, schafft es immer wieder, die Balance zwischen beiden Charakteren zu halten. Der überhäufige Wodkakonsum ist für mich wiederum absolut übertrieben dargestellt. Mag sein, dass Polen solch ein Ruf folgt und man dort auch mehr puren Wodka trinkt als sonst irgendwo auf der Welt, aber zu jeder Mahlzeit mehrere Kurze, morgens vor dem Frühstück oder bei jeder Rede? Keinesfalls! Diese, meiner Meinung nach, stark übertriebene Darstellung trübte die gesamte, sonst ganz unterhaltsame Lektüre, ein wenig, was eigentlich nicht hätte sein müssen.

Abgesehen davon erwartet die treuen Anne-Hertz-Leser, genauso wie all diejenigen, die dieses Genre gerne lesen, eine abwechslungsreiche, flüssige Geschichte, in dem allseits beliebten und gewohnten Anne-Hertz-Schreibstil. Ich finde es schön, dass beide Autorinnen es schaffen, sich weiterhin neue Geschichten zu überlegen und diese immer wieder aufs Neue aufregend zu gestalten, ohne dass diese, wie es nach mehreren Büchern oft der Fall ist, verbraucht wirken. Das wunderschön gestaltete Cover lädt auf jeden Fall wieder zum Lesen ein und passt auch diesmal wieder perfekt zur Handlung – das hübsche Herzchenthema zieht sich übrigens auch im Buch bei jeden Kapitelanfang durch und ist jedes Mal ein optisches Highlight.

„Flitterwochen“ erzählt eine lustige und turbulente Geschichte mitten im polnischen Familienleben an der Ostsee, wo der Glaube noch etwas wert ist und Gastfreundschaft ein absolutes Haushalt-Vorzeige-Merkmal darstellt. Auch die Romantik kommt natürlich nicht zu kurz und so kann man sich wieder auf einen lesenswerten Anne-Hertz-Roman freuen!

4Ballerinas

Ein Gedanke zu “[Rezension] Anne Hertz – „Flitterwochen“

  1. Liebe Jess,

    „Flitterwochen“ gehört wohl zu den schönsten Anne Hertz-Romanen. Ich habe es ebenfalls gerne gelesen und kann es nur weiter empfehlen!

    Liebe Grüße aus der Bücherstadt,
    Alexa

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