[Rezension] Alex Capus – „Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer“

Capus_24327_MR.inddIn seinem neuesten Roman erzählt der schweizerische Autor Alex Capus die Geschichten dreier Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. „Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer“ basiert auf drei wahren Geschichten und deren Personen.

Emile Gilliéron war ein hochbegabter Künstler, der alles zeichnen konnte, was man sich nur denken konnte. So begleitete er die weltbekannten Archäologen Heinrich Schliemann und später dann auch Arthur Evans an deren Ausgrabungen. Gemeinsam mit Schliemann entdeckte er jahrelang Stück für Stück in Griechenland Troja, später auf Kreta dann Knossoss mit Arthur Evans sowie seinem Sohn, der die Ausgrabungen in Knossoss bis zum Ende begleitete.

Laura d’Oriano reiste von klein auf gemeinsam mit ihren Eltern und ihren Geschwistern durch verschiedenste Länder. Sie schwor sich, nie so zu werden wie ihre Mutter – auf der Bühne singend ihr Strumpfband zu zeigen. Doch bald schon wird ihr klar, dass vor ihr keine großartige Gesangskarriere liegt. So kümmert sie sich um den Laden ihrer Eltern, die mit der Sesshaftigkeit nicht gut auskommen. Sie sitzt, wie früher im Zug, auf der Treppe vor dem Laden, raucht Zigaretten und beobachtet die Menschen, bis eines Tages ein junger, fescher Mann vorbei kommt.

Felix Bloch sollte eigentlich an der ETH Zürich Maschinenbau studieren, doch als er daran keinen Gefallen fand, wandte er sich der Physik zu. Langsam aber beständig entdeckte er die Grundsätze der Quantenmechanik, gewann schließlich gemeinsam mit seinen Kommilitonen und späteren Kollegen neue, bahnbrechende Erkenntnisse. Bald schon zählt er zu den herausragendsten Physikern der Welt und als der zweite Weltkrieg ausbricht, gehört er zu einer kleinen Gruppe von Menschen, die am Bau der Atombombe beteiligt sind.

Drei Persönlichkeiten, so verschieden wie Tag und Nacht und doch haben sie etwas gemeinsam: sie unterscheiden sich von so vielen anderen, strebten im Leben nach mehr, wollten keine Marionetten sein, sich keinen Erwartungen fügen. Man mag sich fragen, wieso Capus ausgerechnet diese Personen ausgesucht hat und weshalb nicht andere – aber ich persönlich bin mit diesen Figuren absolut zufrieden. Obwohl ich von Physik wirklich so gut wie gar nichts verstehe, faszinierte mich der Werdegang Blochs sowie seine Ausführungen über verschiedenste physikalischen Eigenschaften. Auch Laura bewunderte ich für ihren unglaublichen Mut, dem Ruf ihres Herzens zu folgen. Emiles Taten mag nicht jeder gutheißen, aber es erfordert großes Talent, kleinste Bruchstücke zu einem Ganzen zusammenzufügen, nur mit Hilfe künstlerischer Fantasie.

Dieses Werk begeistert aber nicht nur durch die drei Lebensgeschichten, sondern vor allem durch Capus‘ Darstellung dieser. Der Schreibstil des Autors ist schlichtweg bewundernswert, wunderbar und vor allem beinhaltet er die perfekte Mischung von Nüchternheit und versteckten Beschreibungen. Viele Botschaften entdeckt man nicht durch Worte, sondern muss erst zwischen den Zeilen lesen und das hat mich wohl am meisten fasziniert. Es erfordert viel Zeit und Durchhaltevermögen, drei Lebensgeschichten zu recherchieren und diese dann in der Form einer Erzählung niederzuschreiben, ohne dass es zu biografisch klingt. Capus schafft es, zwischen den vielen bekannten Fakten fesselnde und eindrucksvolle Geschichten zu erzählen. Auch die vielen bildlichen Vergleiche wie „Hitlers Schachbrett“ oder der Vergleich der Wissensaneignung mit einer Eissscholle haben mir persönlich wahnsinnig gut gefallen.

Die knapp 280 Seiten gingen auf jeden Fall viel zu schnell zu Ende, ich persönlich hätte gern noch mehr gelesen – aber irgendwann enden leider alle Lebensgeschichten. Nachdem mich mein erster Capus-Roman, „Léon und Louise“ so begeisterte, bin ich auch von diesem Werk absolut nicht enttäuscht. Es ist ein etwas anderer Roman, und obwohl es nicht meinem ‚üblichen‘ Lesegeschmack entspricht, wünschte ich, es gebe noch mehr von solch wunderbaren Werken. Aber bis der nächste Capus-Roman erscheint, kann ich glücklicherweise seine vorherigen Veröffentlichungen lesen…

„Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer“ verdient es definitiv, mit Genuss gelesen zu werden und begeistert nicht nur durch drei unterschiedliche, außergewöhnliche Persönlichkeiten und deren Lebensgeschichten, sondern auch durch Capus‘ wundervollen Schreibstil!

5ballerinas

3 Gedanken zu “[Rezension] Alex Capus – „Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer“

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