[Rezension] Susanne Vehlow – „Manche mögen Reis“

9783548375335_coverMit dem neuesten Band aus der Lesezeichen-Reihe des Ullstein Verlags geht es nach China – in „Manche mögen Reis“ erzählt Susanne Vehlow von ihren Erlebnissen.

Gemeinsam mit ihrem Mann Marc und den gemeinsamen Kindern, Jonas und Johanna, wagt sie den Traum vieler – alles aufgeben und für längere Zeit ins Ausland ziehen. So verlässt die Familie Berlin und zieht für zwei Jahre nach Schanghai. Dort unterrichten Susanne und Marc an der deutschen Schule und die Kinder besuchen selbstverständlich auch diese Schule. Die Unterschiede zwischen Deutschland und China sind gewaltig – in allen Aspekten. Lebensweise, Wetter, Infrastruktur & Verhalten.

Manche mögen Reis

Was mir hier gleich anfangs sehr negativ aufgefallen ist, ist das Verhalten der Protagonistin bzw. der Autorin. Sie zieht mit ihrer Familie in ein ihr vollkommen unbekanntes Land, die Sitten und auch die Sprache sind ihr in keinster Form auch nur annähernd bekannt – und sie bereitet sich absolut nicht darauf vor. Sowie ich es verstanden hatte, hat Susanne Vehlow nicht einmal einen Blick in einen Reiseführer geworfen und sich auch nicht die Mühe gemacht die grundlegenden Begriffe/Sätze auf chinesisch zu lernen. So ist es auch kein Wunder, dass sie dann auf einmal völlig ratlos in einer überfüllten Flughalle steht, mit ihren Kindern, und ganz überrascht davon ist, dass sie keiner auf englisch versteht und sie auch natürlich keine chinesischen Schriftzeichen lesen kann. Mag sein, dass ich hierbei überreagiere, aber für mich ist es selbstverständlich, sich über ein Land wenigstens etwas zu informieren, wenn ich weiß, dass ich in diesem über einen längeren Zeitraum hinweg leben werde (zudem noch mit Kindern). Sogar für einen einwöchigen Urlaub informiere ich mich mehr, als Susanne Vehlow es tat. Leider ist mir das Verhalten und die Einstellung der Protagonistin/Autorin auch im weiteren Handlungsverlauf immer wieder negativ aufgefallen.

Manche mögen Reis

Dafür fand ich den Inhalt ihrer Erzählungen und die vielen Erlebnisse in China sehr interessant. Ich war selbst noch nie dort und wusste bis dahin auch nicht übermäßig viel über das Land, obwohl ich einige Monate lang einen chinesischen Sprachkurs besucht hatte. Der Untertitel des Buches, „Skurriles aus dem Reich der Mitte“, passt dabei haargenau – so einige Anekdoten musste ich tatsächlich zweimal durchlesen, weil ich nicht glauben konnte, dass das so stimmen sollte. Es ist nun mal ein wenig unfassbar, welche krassen Unterschiede zwischen Europa und Asien bzw. Deutschland und China herrschen können, gerade wo China angeblich so modern sein soll. Zumal war dies meine bisherige Auffassung vom Image des Landes.

Manche mögen Reis

Was mir richtig gut gefallen hat: man bekommt nicht nur einen Einblick in das Leben in Schanghai, sondern auch in viele andere Lebens- und Verhaltensweisen, Kulturen und Länder. Die Vehlow-Familie reist nämlich gerne und viel und so besuchen wir neben Schanghai auch Peking, das australische Sydney, Indonesien, Kambodscha, die Philippinen und noch einiges mehr. Wer sich also generell für Asien interessiert, bekommt hier einen breiten Einblick.

Leider enttäuscht die Handlung selbst drumherum eher, da sie relativ sprunghaft aufgebaut ist und mich als Leser eher gestört als unterhalten hat. Dafür bietet „Manche mögen Reis“ aber einen definitiv interessanten und vor allem vielseitigen Einblick in das Leben als europäischer Expat in China und generell in viele asiatische Bräuche und Kulturen.  Für einen ersten breiten Überblick über China reicht es allemal.

3Ballerinas

17 Gedanken zu “[Rezension] Susanne Vehlow – „Manche mögen Reis“

  1. Ich finde es bei diesen Auswander-Sendungen auch immer unfassbar, wie jemand in ein Land auswandern kann, ohne sich wenigstens mal ein bisschen vorzubereiten. Noch schlimmer, wenn Kinder dabei sind. Und sich dann noch wundern, wenn dich keiner versteht. Als ob die da auf dich gewartet hätten…
    Schade, dass die Handlung enttäuscht, denn nur für so einen Blick ans andere Ende der Welt kaufe ich mir lieber nicht das Buch…

    • Puh, ich dachte schon, ich reagiere etwas über – aber für mich ist das einfach unverständlich. Zumal man mit Kindern auch nicht besonders spontan sein kann und eine gewisse Verantwortung hat.

  2. Hallo.

    Das ist das typische Problem bei solchen Geschichten und diesen Auswander-Sendungen: Wenn die Leute nicht so doof wären, gäbe es keine „interessanten“ Konflikte. Wenn man mit ein bisschen Vorbereitung auswandert, ist es nämlich überraschend unspektakulär (obwohl es natürlich immer noch viele Probleme geben kann). War jedenfalls bei mir so. Leider treffe ich auch im echten Leben immer wieder auf Leute, die genau so sind, wie in deinem rezensierten Buch, scheint also nicht nur literarische Freiheit zu sein.

    Aber was haben jetzt Australien, Indonesien und Co. groß mit China zu tun (ein richtiger Roman scheint es ja auch nicht zu sein)? Klingt für mich so, als hätte die Gute besser Tagebuch oder Blog geschrieben (so wie ich :-D).

    Viele Grüße
    Shaoshi

    • Ach, ich habe ja aus dieser Reihe schon ca. 15 andere Bücher/Geschichten von Auswanderern gelesen und da waren die Erzählungen auch ohne dieses Problem interessant und unterhaltsam genug. :-) Das mit den änderen Ländern fand ich schon okay, es ist ja kein striktes Chinasachbuch, sondern tatsächlich mehr Tagebuch in Buchform.

      Aber sehr interessant, dass du selbst ausgewandert bist! :-)

      Liebe Grüße,
      Jess

  3. Ich verstehe wirklich nicht, wie man völlig unvorbereitet irgendwohin ziehen kann. Schreibt die Autorin, warum sie das macht und ob sie das generell nicht tut, egal ob China oder Australien? Oder hat sich Ihr Mann vorbereitet und sie verlässt sich auf ihn? Ich kann gar nicht aufhören mit Kopfschütteln und frage mich, ob ich mir das Buch antun soll. LG Ulrike

    • Liebe Ulrike,
      tatsächlich hat sich ihr Mann sehr gut vorbereitet und hatte auch alles im Griff. Im Buch erklärt es die Autorin damit, dass sie von dem Unterfangen einfach überwältigt war und nicht daran gedacht hat – auch, weil sie dachte, englisch würde ihr ausreichen. Für mich nicht nachvollziehbar, aber ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, wie ich mich in ihrer Situation verhalten würde. Wobei ich mich, wie gesagt, schon für nur einen Tag an einem fremden Ort ausgiebig drauf vorbereite.
      Liebe Grüße,
      Jess

  4. kessy schreibt:

    Interessant ja, aber grottenschlecht geschrieben.
    In meinen Augen ist die Autorin eine verwöhnte, egoistische Person.
    Wie kann man als Lehrerin so blind in ein Land mit kleinen Kindern auswandern? Wie kann man nur so sinnfrei umreisen, nur um Sehenswürdigkeiten aufzählen zu können?
    Als gebildete Person sollte man sich vielmehr mit dem Land, in dem man lebt, engagieren , es kennen lernen und auch ein wenig lieben lernen. Sich Zeit nehmen und einfach nur leben. Was wissen die Kinder nun wirklich von China ?

    Fazit: Vom Inhalt her hätte es ein wunderschönes Buch werden können.
    Aber die Autorin verfügt nur über begrenzte sprachliche Fähigkeiten oder wurde schlecht beraten.

    Schade! Ich werde das Buch schnellstmöglich entsorgen.

    Kessy

  5. christanis2014 schreibt:

    Ich habe das Buch in Vorbereitung auf meine Auswanderung nach China von meiner Mutter geschenkt bekommen. Nachdem ich auf den Flug wartend die Hälfte gelesen hatte, wollte ich gar nicht erst los. Aber schon bei der Ankunft in Schanghai wurde mir klar, dass mit dem Buch ganz gewaltig etwas nicht stimmte und mittlerweile, nach 5 spannenden, ja auch emotionalen Monaten in Ningbo ärgere ich mich sehr darüber, was die Autorin der Öffentlichkeit zugemutet hat. Wenn ich nicht bereit bin, mich auf das Land einzulassen in dem ich vorhabe, die nächsten Jahre zu leben, dann kann es mir dort natürlich auch nicht gut gehen. Das Buch ist übervoll mit Stereotypen, auf Menschen und Kultur wird von einem krassen deutschen Standpunkt aus herabgeschaut und für die Schönheiten der Sprache und des Kontrastes zu dem, was wir gewöhnt sind ist die Autorin komplett blind. Und um das alles abzurunden, ist es auch sehr, sehr schlecht geschrieben. Dieses Buch gibt jedem, der nie in China war einen sehr schlechten und dazu falschen Eindruck und es ist schade, wenn sich darauf basierend jemand dagegen entscheidet das Land selbst kennenzulernen.

    • Danke für deinen Kommentar! Finde das ja dann besonders interessant, wenn du das auch so siehst, die das Land auch selbst beurteilen kann. Insofern war mein Eindruck der Autorin also komplett richtig. Ich gebe dir vollkommen recht – wenn sich jemand wirklich auf die im Buch beschriebenen Erlebnisse verlässt, wird einem China sehr unschmackhaft gemacht. Schade.

      Liebe Grüße!

      • christanis2014 schreibt:

        Danke. Ich hatte ein bisschen Bedenken zu scharf kritisiert zu haben und klar, es gibt hier viele Dinge die gewöhnungsbedürftig sind, aber das macht das alles ja auch so spannend. Man muss sich eben wirklich drauf einlassen und das ist an manchen Tagen schwerer als an anderen. Aber ich war sehr positiv überrascht. Danke für deine Rezension. Die war zusammen mit den Kommentaren sehr interessant zu lesen.
        Liebe Grüße!

      • Genau. Zumal ich ja von einer Person, die sich bereit erklärt, mit ihrer Familie ins Ausland zu ziehen, auch eine gewisse Offenheit dem Land gegenüber erwarten würde. Allein der Kinder wegen. :-)

  6. K schreibt:

    Auch ich habe das Buch als „Vorbereitung“ auf meine Auswanderung gelesen und war damals schon recht enttäuscht. Zu dem Zeitpunkt war ich noch in Deutschland, gerade mit Chinesischkurs und Interkulturellem Training beschäftigt. Beides hätte Familie Vehlow sicher nicht geschadet.

    Ein großes Problem aus meinen Augen (meine Erinnerung ist etwas schwammig und ich hab das Buch auch nicht mitgenommen, kann also nicht auffrischen, sorry): Susanne Vehlow wollte gar nicht. Ihr Mann hat sie mehr oder minder gedrängt, sie gibt zu, komplett überfordert gewesen zu sein. Alles kein Drama – aber dann muss man das als Team durchziehen. Transit in Peking ohne Sprachkenntnisse, wer auch mal nur 5 Minuten vor dem Losfliegen Google bemüht, sollte wissen, dass er sich da gerade ins Abenteuer stürzt. Und in etwa so vorbereitet ist, wie wenn man in Highheels und dem kurzen Schwarzen auf den Everest steigen möchte.

    Bei Susanne Vehlow fehlt mir die Reflexion. Es wirkt alles so, als hätten alle anderen Schuld (die bösen Chinesisch, die kein Englisch können; die komische Sachen essen; die furchtbar Auto fahren) und ich kann nur mit dem Kopf schütteln. Dazu kommt, dass ihr Agent und der Verlag ihre Sorgfaltspflicht irgendwie vernachlässigt haben, heraus kam eine Aneinanderreihung an Blogbeiträgen und Heimwehtiraden, gespickt mit ein bisschen „Oh, mein Mann hat für uns eine Verlängerung beantragt, aber ich will doch Heim) und Reiseberichten, die mit „Skurriles aus dem Reich der Mitte“ nichts zu tun haben.

    Ich kann viele Entscheidungen nicht nachvollziehen und unter dem Strich tun mir die Kinder leid. Die Eltern sind kein Team (Susanne Vehlow reist ab, wie sie angereist ist. Allein mit ihren beiden Kindern, Marc Vehlow bleibt noch ein paar Monate…) und leben ihnen obendrein noch vor, wie man total unüberlegt (und zum Teil fahrlässig) Entscheidungen trifft.

    Mittlerweile lebe ich seit anderthalb Jahren in Shanghai und überlege stark, ein Gegenbuch zu schreiben. Es gibt wirklich viel Skurriles zu berichten, aber auch viel Schönes. Wenn man seine Anekdoten in einen kulturellen Gesamtzusammenhang setzt (losgelöst von der deutschen Denke und dem „Herabschauen“, das so viele Expats aus verschiedenen Ländern hier an den Tag legen), kann dabei eine lustige, teil unglaubliche, manchmal liebevolle Erzählung vom großen Abenteuer rumkommen. Ich werde ich dann nur mal mit meiner Lieblingsshanghaibloggerin Shaoshi (hat weiter oben kommentiert) zusammen setzen müssen – die hat nämlich viel mehr Ahnung als ich ;)

    Schöne Grüße aus Shanghai und vielen Dank für die Rezension – es tut gut zu sehen, dass dieses Buch nicht blind geglaubt wird :)

    PS: Sorry für die späte Meldung… aber vielleicht stolpert ja nochmal jemand via Google drüber und interessiert sich :)

    • Danke für deinen Kommentar! Finde das aus deiner Sicht erst recht interessant – und ein Gegenbuch würde ich in dem Fall auch sehr gerne lesen. :-) Liebe Grüße und weiterhin eine gute Zeit!

      • K schreibt:

        Vielen Dank :) Ich melde mich, falls jemals was draus wird – und falls Du in der nächsten Zeit in der Gegend um Shanghai bist, meldest Du Dich bitte ;)

Ich freue mich, wenn ihr meinen Beitrag kommentiert!

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