[Rezension] Andreas Izquierdo – „Der Club der Traumtänzer“

6263_TB_DER_CLUB_DER_TRAUMTAENZER_CMYK-300In das Buchcover von Andreas Izquierdos neuem Roman habe ich mich verknallt. In den Buchtitel, „Der Club der Traumtänzer“, verliebt. Nach 448 Seiten innigster Beziehung war es pure Liebe.

Gabor Schöning ist ein gut aussehender Mann, der sowohl im Beruf als auch im Privatleben äußerst erfolgreich ist und damit auch sehr glücklich zu sein scheint. Eines Tages jedoch fährt er Kathrin, Lehrerin an einer Förderschule, an. Der einzige Weg, einer Strafanzeige zu entgehen, ist, fünf Sonderschülern das Tanzen beizubringen. Denn tatsächlich hat Gabor eine große Leidenschaft und nur ein einziges Hobby neben seiner zeitverschlingenden und anspruchsvollen Arbeit: das Tanzen. Doch selbstverständlich sind die fünf Teenager von der Idee, miteinander tanzen zu müssen, absolut nicht begeistert. So beginnt sowohl für die Jugendlichen, die Lehrerin als auch Gabor selbst ein großer Kampf.

Eigentlich ist der Protagonist, Gabor Schöning, eine Person, die man in der Regel nicht mag. Er lebt quasi für seine Arbeit, verrät für eine Partnerschaft auch ohne mit den Wimpern zu zucken seinen besten Freund und bearbeitet auch ganz gerne Bilder von der Firmenfeier ganz nach seinen Wünschen entsprechend. Privat lebt er in einem großzügigen und teuren Penthouse, alleine, Gesellschaft leisten ihm fast jede Nacht andere Frauen. Kurzum: kein Mann, den man als gewöhnliche Frau oder eben als Leser sympathisch finden würde. Eigentlich. Denn obwohl ich all das, was Gabor tut, ganz bestimmt nicht schätze oder mag, ist mir der Protagonist trotzdem von der ersten Begegnung an unheimlich sympathisch. Ob das an seinem „Badabing!“ liegt? Kann gut sein. Auf alle Fälle spüre ich schon am Anfang, dass sich Gabor eventuell noch verändern könnte. Außerdem teile ich mit ihm die große Leidenschaft für den Tanz – hier insbesondere die lateinamerikanischen Tänze wie Salsa, Rumba oder eben Tango.

Der Club der Traumtänzer Andreas Izquierdo

Neben Gabor spielen die fünf Jugendlichen eine sehr wichtige Rolle für die Geschichte – und die könnten wirklich nicht unterschiedlich sein. Da gibt es Marvin, einen stämmigen Jungen, den jüngsten Bruder in einer Familie, in der Männer Männer sein und jeden Kampf mit Fäusten austragen müssen. Dass Marvin anders und besser sein möchte als sein Vater und seine Brüder, wird nicht toleriert. Die immer ruhige Lisa spricht mit kaum jemanden und hat keine Freunde. Niemand weiß, dass sie eine schwere Kindheit hatte und bei einer Pflegefamilie wohnt, in der sie für die Erziehung zweier Geschwister sowie für den gesamten Haushalt verantwortlich ist. Jennifer dagegen scheint es Zuhause an nichts zu fehlen – schließlich haben ihre Eltern genügend Geld. Doch dafür sind sie für ihre etwas übergewichtige Tochter nie da und verbieten alles, was sie nicht kennen, mögen oder kontrollieren können. Der magere aber immer muntere Vinnie lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter, die gut für ihn sorgt, aber ein Geheimnis birgt. Und schließlich ist da noch Felix, der bei seinen Großeltern wohnt und nichts von Tricks hält, da diese sein Leben zerstört haben. Ans Tanzen denkt keiner von ihnen, zu sehr setzt ihnen das eigene Leben zu, zumal sind sie auf einer Förderschule, weshalb sie automatisch von jedem Außenstehenden als dumm angesehen würden. Was soll da schon ein reicher Unternehmensberater anrichten, der sie nur als ein Sozialprojekt und Bürde sieht?

Der Club der Traumtänzer Andreas Izquierdo

In dieser Geschichte spielt Gabors Tanzleidenschaft und das Tanzen an sich natürlich eine große Rolle und die sehr genauen Beschreibungen des Autors führen dazu, dass man selbst als Tänzerin wirklich nichts zu beanstanden hat und selbst die Tanzschuhe auspackt und sich mal wieder an lateinamerikansichen Tänzen versucht. Dies trägt zu einem Teil selbstverständlich dazu bei, dass ich mich in diese Geschichte so sehr verliebt habe. Vielmehr jedoch ist es die Geschichte mit ihren Charakteren selbst, die mich unheimlich berührt hat. Sie ist nicht nur berührend, sondern auch so lustig, voller Lebensfreude und authentisch, dass man Satz für Satz jedes beschriebene Gefühl selbst fühlt und jede Situation mitlebt. Izquierdos Schreibstil kann ich gar nicht richtig beschreiben, ich kann nur sagen, wie sehr er mir gefällt. Seine Worte haben etwas Pures, Wahres an sich und reißen einfach mit. All seinen Charakteren verleiht er eine eigene Dynamik, bringt sie zum Leben und macht seine Geschichte damit wirklich zu einem fantastischen Lebenserlebnis.

Der Club der Traumtänzer Andreas Izquierdo

Ich lese sehr viele Bücher und unterschiedliche Geschichten, viele davon gefallen mir auch sehr gut, aber diese hier, diese ist etwas ganz Besonderes. Ich hatte tatsächlich recht hohe Erwartungen an das Buch, da mich schon Cover und Titel begeistert haben und auch die Inhaltsangabe klang vielversprechend. Ich hatte aber nicht erwartet, wie sehr mich dieser Roman mitreißen würde und dass ich noch Tage später daran denken muss und immer noch so verliebt bin. Zumal der Buchtitel als auch das bezaubernde Buchcover so hervorragend zum Inhalt passen.

„Der Club der Traumtänzer“ ist mehr als nur lesenswert. Es ist ein Roman, den ich jedem ans Herz lege, der mich nicht nur unheimlich berührt, aber auch wahnsinnig begeistert hat. Ein Buch, das man gelesen haben muss.

5ballerinas

17 Gedanken zu “[Rezension] Andreas Izquierdo – „Der Club der Traumtänzer“

  1. Ich war ein bisschen skeptisch, weil das Vorgängerbuch des Autors mich nicht komplett überzeugen konnte, aber nach deiner Rezi steht fest: muss gelesen werden! Vielen Dank :)

  2. knightlyart schreibt:

    Deine Rezension hat mich überzeugt, das ich dieses Buch unbedingt lesen muss!
    Danke dafür und herzlichen Gruß,
    Kirsten

  3. Danke, für diese leidenschaftliche Rezension, liebe Jess.
    Bei mir subt das Buch noch, was sich aber dank dir jetzt ganz bald ändern wird!

    Liebe Grüße,
    Ramona

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