[Rezension] Elisabeth Herrmann – „Der Schneegänger“

Der Schneegaenger von Elisabeth HerrmannNach „Das Dorf der Mörder“ folgt nun in „Der Schneegänger“ der zweite Fall für Sanela Beara, der Protagonistin aus Elisabeth Herrmanns neuer Krimireihe.

Vier Jahre nach der mutmaßlichen Entführung eines Jungen findet ein Jäger mitten in der Nacht ein Skelett im Wald. Bald ist klar, dass es sich dabei um das Skelett des vermissten Jungen handelt. Der Zufall will, dass es sich bei dem damaligen, nie aufgeklärten Vermisstenfall um den ersten leitenden Fall von Gehring handelte. Jetzt hat er die Chance, seinen Fall endlich zu Ende zu bringen. Doch in den letzten vier Jahren hat sich in der Familie einiges getan und die Spuren sind nach so einer langen Zeit längst verschwunden. Glück im Unglück für Gehring, dass Sanela Beara sich nicht besonders an rechtliche Anforderungen hält und kurzerhand bald auf eigene Faust ermittelt.

Sehr gespannt war ich auf den neuesten Kriminalroman der überaus sympathischen Autorin, Elisabeth Herrmann. Zudem habe ich ihre Protagonistin bereits in „Das Dorf der Mörder“ überaus gerne gemocht – Sanela Beara ist noch keine vollends ausgebildete Kommissarin, doch mit ihrer neugierigen und teils unkonventionellen und selbstbewussten Art war sie mir von Anfang an sympathisch, passt sie mit ihrem Verhalten in kein typisches Schema. Zudem war ich gespannt auf die weitere Entwicklung zwischen Sanela und Lutz Gehring, ihrem Vorgesetzten. Sanela selbst konnte mich in ihrem zweiten Fall zwar auch wieder überzeugen und für sich gewinnen, genauso gerne habe ich auch Gehrings Verhalten verfolgt, doch die Geschichte an sich ließ meinem Geschmack nach leider einiges zu wünschen übrig.

Der Schneegänger Elisabeth Herrmann

Die Art und Entwicklung der gesamten Handlung waren zwar absolut typisch für Elisabeth Herrmann, was auch zu erwarten war, doch insgesamt wies die Handlung für mich zu viele Längen und unnötige Verwicklungen auf, genauso wie ich die vereinzelten kleineren Liebes-/Familiendramen als ganz und gar nicht notwendig, sondern eher störend empfand. Überhaupt hätte ich mir insgesamt eine ganze Spur mehr Spannung gewünscht, welche im Gegensatz zu „Das Dorf der Mörder“ im gesamten Handlungsverlauf fast gar nicht aufkommen will. So musste ich mich sogar stellenweise zum Weiterlesen zwingen, was ich von einem guten Krimi eigentlich nicht erwarten würde. Und ich gebe es zu, mir fehlten ein wenig auch die blutigeren Details, die es gerade im ersten Fall zu Genüge gab. Es muss natürlich nicht immer gleich blutig und wahnsinnig detailreich sein, aber ein wenig mehr hätte es hier doch sein können.

Zudem konzentriert sich die Handlung in „Der Schneegänger“ viel mehr auf die Gefühle und das Leben der beteiligten Charaktere, als auf das Klären des Fall und die damit einhergehende Polizeiarbeit. Wer diese Aspekte bei einem Krimi also zu schätzen weiß, wird hierbei vollends auf seine Kosten kommen. Was mir wiederum wieder sehr gut gefallen hat, sind die zahlreichen Perspektivwechsel und dass man damit als Leser einen umfassenden Einblick bekommt und nicht nur auf die Erlebnisse einer einzigen Person beschränkt ist.

An sich nichts Neues und schon gar nichts Schlimmes ist, dass hier sowohl das zugegebenermaßen ansehnliche Buchcover als auch der Buchtitel so gar nicht zur Handlung passen wollen. Auf den Titel wird zwar recht bald auf den ersten Seiten angespielt, diese Anspielung wird im weiteren Verlauf aber in keinster Weise wieder aufgegriffen oder gar aufgeklärt. Bei Büchern, deren Original in englischer Sprache erschienen ist, kann ich den fehlenden Zusammenhang zwischen Titel und Handlung eher nachvollziehen – hier stört es mich aber dann doch ein wenig, zumal die Buchtitel der anderen Bücher der Autorin auch sonst immer perfekt passten.

An „Der Schneegänger“ hatte ich recht hohe Erwartungen, welche teilweise gar nicht erfüllt wurden. Ich würde nicht so weit gehen um zu sagen, dass dies kein guter Kriminalroman ist, die Handlung ist im Großen und Ganzen nämlich durchaus lesenswert. Es sind für mich jedoch zu viele Kleinigkeiten zusammengekommen, die mir den Lesespaß verdorben haben. So bleibt mir nur noch die Hoffnung, dass mich Sanela Bearas nächster Fall wieder mehr begeistern kann.

3Ballerinas

Ein Gedanke zu “[Rezension] Elisabeth Herrmann – „Der Schneegänger“

  1. Spannend, dass hier auf die Gefühle der Betroffenen eingegangen wird! Wäre der Fokus wieder einzig beim Fall, wäre die Story sicher schnell austauschbar. Danke für die schöne Review :)

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