[Rezension] Bradley Somer – „Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel“

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Ein schlichtes, aber leuchtend buntes Cover, ein eher ungewöhnlicher Titel – „Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel“ – machen Laune und neugierig auf den zweiten Roman des australischen Autors Bradley Somer.

The Seville on Roxy ist ein Betonkasten, ein Hochhaus, in dem viele Menschen – Männer, Frauen, Kinder, Singles, Familien, – leben, täglich ihrem Leben nachgehen, aber ihre viele Nachbarn doch irgendwie nicht kennen.

An dem Tag, an dem ein Goldfisch namens Ian aus seinem Goldfischglas auf dem Balkon im 27. Stock fällt, funktioniert der Aufzug in diesem Hochhaus nicht. Dadurch geschehen Dinge, die so vielleicht nicht passiert wären. Und alles nur, weil die Bewohner und Gäste des Seville gezwungen sind, die Treppe zu nehmen.

Bradley Somer Goldfisch

Ich weiß nicht, ob es an meiner damaligen Leselaune oder am ungewöhnlicheren Schreibstil lag, aber mit dem Einstieg in die Geschichte habe ich mich sehr schwer getan. Nach mühsamen ersten fünfzig Seiten habe ich diesen Roman sogar vorerst zur Seite gelegt, um es einige Tage später noch einmal zu versuchen. Beim zweiten Versuch ging das Lesen tatsächlich schon leichter vonstatten, ich hatte mich an den Schreibstil gewöhnt und vor allem wurde ich vertrauter mit den vielen Charakteren, deren Handlungen in dieser Geschichte beschrieben werden. Allerdings wurde ich mit keinem davon so richtig warm. In der Regel ist einem als Leser ja mindestens ein Charakter besonders sympathisch und verfolgt deren Handlung einen Tick lieber als die anderen. Hier aber konnte keiner so richtig meine Sympathie gewinnen. Erst in der zweiten Hälfte der Geschichte, als erste Zusammenhänge erkennbar waren und man hinter die Gründe diverser Handlungen blickt, fand ich das Leben der Bewohner endlich interessant.

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Obwohl mich das Buch tatsächlich gute zwei Drittel lang so gar nicht überzeugen konnte, konnte gerade das letzte Drittel, insbesondere die allerletzten Seiten, mich dafür umso mehr begeistern. Dies ist wohl so eine Geschichte, bei der man erst am Ende den Sinn der gesamten Handlung versteht und welche dann im Nachhinein umso mehr überzeugen kann.

„Alles geschieht aus einem Grund. Manchmal aufgrund einer Entscheidung, manchmal aufgrund eines glücklichen Zufalls, manchmal durch göttliches Zutun. Aber es ist egal, denn das Leben geht einfach weiter.“ – Seite 316

Am Ende hat mich wohl am meisten überrascht, dass die gesamte Geschichte einzelne Handlungen von diversen Personen beschreibt, welche allesamt nur wenige Minuten dauern. Und da ich selbst denke, dass alles aus einem bestimmten Grund geschieht und es selten etwas Schlechtes gibt, was nicht wieder doch irgendwie etwas Positives mit sich bringt, gefällt mir der Gedanke hinter Somers Roman unheimlich gut.

Bradley Somer Goldfisch

Gut gefallen haben mir übrigens noch die „Titel“, welche der Autor einigen Charakteren vergeben hat. So haben wir beispielsweise einen Bösewicht, eine Heldin und natürlich einen Protagonist – Goldfisch Ian. Durch diese Titel betrachtet man die jeweiligen Personen schon ganz anders, da man schon im Voraus wertet – aber hier passt das und gefällt mir auch sehr gut. Desweiteren werden manche Szenen, in denen zwei der Charaktere aufeinander treffen, im darauffolgenden Kapitel nochmals wiederholt, um sie aus der jeweils anderen Sicht zu beschreiben. Anfangs hat mich diese Wiederholung gestört, im Nachhinein finde ich dies aber durchaus notwendig und sehr gelungen – zeigt das doch wie unterschiedlich manche Aspekte in Verhalten, Körpersprache, Blickkontakt, etc. aufgenommen werden können.

„Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel“ beschreibt wenige Minuten im Leben ausgewählter Bewohner eines Hochhauses, die unterschiedlicher fast nicht sein könnten. Obwohl mir der Einstieg in die Geschiche sehr schwer fiel und ich lange wenig mit den Charaktere und deren Handlung zurecht kam, so konnte mich dieser ungewöhnliche Roman letztendlich wirklich überzeugen. Wer fernab der üblichen Bücher etwas Besonderes lesen möchte, sollte hier unbedingt zugreifen.

4Ballerinas

Ein Gedanke zu “[Rezension] Bradley Somer – „Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel“

  1. Saskia schreibt:

    Na du,

    wie schön, dass dir der Roman auch gefallen hat! :) Ich empfand den Schreibstil auch als sehr besonders beziehungsweise anders. Als wäre man den Charakteren zugleich nah und fern – was vielleicht auch dazu beitragen kann, dass man länger braucht, um in die Geschichte reinzufinden. Aber es stimmt, gerade zum Ende hin wurde die Geschichte noch einmal um ein Vielfaches spannender!

    Liebe Grüße

    Saskia

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