[Rezension] Britta Bolt – „Das Büro der einsamen Toten“

9783455405286„Das Büro der einsamen Toten“ beschreibt den ersten Fall für Pieter Posthumus und ist zudem der Auftakt einer Trilogie um PP, wie Posthumus in der Handlung oftmals genannt wird. Hinter dem Autorennamen und Pseudonym Britta Bolt steckt ein Autorenduo, bestehend aus Britta Böhler und Rodney Bolt.

In Amsterdam ist es üblich, dass einsame Tote – also anonyme Leichen, die gefunden werden und bei denen keine Angehörige ermittelbar sind – von der Stadt ein Begräbnis bekommen, mit einer richtigen Bestattung, Musik und Kaffee für die Trauergäste. Pieter Posthumus ist, gemeinsam mit seinem Team, für die einsamen Toten zuständig. Doch für Pieter ist dies oftmals mehr als nur ein Beruf, er versucht stets, die Persönlichkeit der Verstorbenen kennen zu lernen, um auch die Bestattung persönlicher gestalten zu können – auch wenn dies weit über seine eigentlichen Aufgaben hinaus geht. Als ihm bei einem seiner Fälle eine Ungereimtheit auffällt, bringt er damit einen gefährlichen Stein ins Rollen, unter welchem nicht nur er begraben werden könnte…

Das Allererste, was mich auf diesen Roman aufmerksam werden ließ, war das recht schlicht gehaltene, aber sehr ausdrucksstarke und eindrucksvolle Cover. Hält man das Buch tatsächlich in den Händen, wirkt das Cover erst recht. Die wenigen, aber starken Farben strahlen nahezu und der Schutzumschlag ist überaus hochwertig und glänzend, wodurch das Cover mit seinen Farben erst recht „erstrahlt“. Die blauem Blumen auf weißem Hintergrund wecken zudem sofort die Assoziation mit den Niederlanden, hier speziell mit Amsterdam, dem Handlungsort.

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Überhaupt spielt die Hauptstadt eine sehr große Rolle in der Handlung, da die Autoren die Stadt, die Straßen, die Grachten und Gebäude sehr genau beschreiben und dadurch auch viel in die Handlung eingebunden wird. So spielen gerade der Fluss der Grachten sowie so manche Straßenanordnungen eine gewisse Rolle während der Geschichte. Zur Orientierung findet man deswegen wohl auch einen Stadtplan mit den wichtigsten Bezeichnungen im Buch. Mir haben diese ausführlichen Beschreibungen der Stadt Amsterdam unglaublich gut gefallen, gerade weil ich mich schon vor Jahren selbst in die zauberhafte Stadt verliebt habe. Egal ob man die Stadt schon kennt oder nicht – nach dieser Lektüre möchte man höchstwahrscheinlich auf jeden Fall dorthin.

Die Handlung selbst ist weniger auf Spannung aus, sondern fesselt den Leser vielmehr durch viele Verstrickungen, mehrere Handlungsstränge und interessante Themen, die direkt zum Diskutieren und Nachdenken anregen. Zu viel möchte ich gerade zum Thema hinter der Handlung nicht verraten, aber ich kann auf jeden Fall sagen, dass es mich persönlich positiv überrascht hat.

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Die Handlung beginnt mit dem Prolog zwar tatsächlich sehr spannend, flacht dann aber ab und baut sich erst nach und nach ab. Hinzu kommt, dass immer willkürlich abwechselnd andere Perspektiven und Handlungen beschrieben werden, die zunächst auch nicht viel gemeinsam haben. Mit jedem Kapitel fügt sich der gesamte Inhalt aber immer mehr zusammen und diese Vielschichtigkeit ist genau das, was die Handlung so interessant macht. So hatte ich auf den ersten Seiten zwar Mühe, den diversen Handlungssträngen zu folgen, doch mit der Zeit, wenn man sich auch innerhalb der vielen Charaktere orientiert hat, erblickt man ein großes Ganzes und das Lesen fällt leichter.

Pieter Posthumus ist als Protagonist unheimlich sympathisch, gerade weil er kein typischer Ermittler ist, den man sonst in Kriminalromanen oder Thrillern antreffen würde. Er ist kein Polizist, Detektiv, Gerichtsmediziner, o.ä., sondern im Grunde ein gewöhnlicher Beamter, der in seiner Vergangenheit schon selbst Kontakt mit dem Gesetz hatte und welcher einfach ein sehr gutes Gespür für Zwischenmenschliches hat und sich für seine Mitmenschen interessiert und einsetzt. Auch sein Charakter und sein Umgang mit Freunden macht ihn zu einem sehr überzeugenden Protagonisten, von dem ich unbedingt mehr lesen möchte.

„Das Büro der einsamen Toten“ ist weniger ein fesselnder Kriminalroman, sondern vielmehr ein unheimlich interessanter Roman um ein hochaktuelles Thema mit einem sehr überzeugenden Protagonisten, der sich von den sonst üblichen Ermittlern gut abhebt. Wer Politthriller mag und nicht unbedingt viel Blut oder viele Leichen für ein Lesevergnügen benötigt, ist hiermit bestens bedient. 

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Bibliografie:

ISBN: 978-3-455-40528-6 / Verlag: Hoffmann und Campe 

Übersetzer: Kathleen Mallett & Heike Schlatterer

Seiten: 384 / ET: 11.03.2015 / Originaltitel: „Heldhaftig“

3 Gedanken zu “[Rezension] Britta Bolt – „Das Büro der einsamen Toten“

  1. Liebste Jessi,

    also das Cover ist ja ein Eyecatcher! Die Knarre…. ^^ oh Mann, was für ein Design :D

    Ich glaube, ich hatte es schon im Programm von HoCa gesehen, aber da ich derzeit noch soviel zu lesen habe und das Buch mich auf den allerersten Blick noch nicht sofort an der Angel hatte, habe ich es erstmal nicht weiter beachtet. Doch was du da jetzt in deiner Rezension schreibst, macht mich neugierig. Ich wusste gar nicht, dass es diese Begräbnisse für John und Jane Doe gibt. Bemerkenswert, da könnten sich viele Städte mal ein Vorbild nehmen.

    Ich setze es mal auf die maybe-Merkliste :)

    Liebe Grüße
    Sandra ♥

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