[Rezension] Mamen Sánchez – „Die schönste Art, sein Herz zu verlieren“

Snchez_download„Die schönste Art, sein Herz zu verlieren“ ist das farbenfrohe Debüt der spanischen Autorin Mamen Sánchez und, wie sich gezeigt hat, eine sehr unterhaltsame Sommerlektüre.

Der junge Brite Atticus Craftsman, Sohn des erfolgreichen Verlegers Marlow Craftsman, wird von seinem Vater nach Madrid geschickt, um die spanische Kulturzeitschrift Librarte zu schließen, die Mitarbeiter zu entlassen und sich um deren Abfindungen zu kümmern. Doch auf einmal kann Marlow seinen Sohn nicht mehr erreichen, Atticus scheint wie vom Boden verschluckt zu sein. So reist er nach Madrid, um bei Inspektor Manchego eine Vermisstenanzeige zu erstatten. Was weder Craftsman noch Manchego wissen: die fünf Frauen, die bei Librarte arbeiten, sind auf ihre Arbeit angewiesen und lassen sie sich nicht einfach so kampflos wegnehmen…

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Diese Geschichte lebt von den vielen so unterschiedlichen Charakteren und diversen Handlungssträngen. So treffen wir gleich zu Beginn den etwas eigenwilligen Inspektor, der sich selbst Manchego nennt, und welcher sehr viel von sich hält. Als der wichtige Verleger eigens vom Scotland Yard an ihn verwiesen wird, wittert Manchego seine Chance. Und ich muss ganz ehrlich sagen – so sehr mir dieser Polizistin am Anfang unsympathisch erschien, so vollführt er während seiner Geschichte eine unglaubliche Wandlung. Dann begegnen wir Atticus Craftsman, einem Briten durch und durch. Auf die Sekunde genau alle 40 Minuten benötigt er seinen Earl Grey-Tee, egal wo er sich gerade befindet oder was er tut. Seine wichtigsten Utensilien, die er immer mit sich führt: sein Wasserkocher, eine Dose feinster Earl Grey sowie seine kleine erotische Bibliothek, bestehend aus fünf Büchern. Um Atticus dreht sich die gesamte Geschichte und er wurde mir im Laufe der Handlung am sympathischsten, da er schlichtweg so herrlich schräg, aber herzensgut ist. Die oben erwähnten fünf Frauen, die für Librarte arbeiten, könnten eigentlich nicht unterschiedlicher sein und trotzdem haben sie eines gemeinsam: sie sind so etwas wie Freundinnen im Laufe der Zeit geworden und halten zusammen. Und jede Einzelne ist für eine Überraschung gut. Das Verleger-Ehepaar Craftsman steht für alles typisch Britische – mehr kann man gar nicht zu Marlow und Moira sagen, die beiden muss man selbst erleben.

Als Leser bekommen wir Einblick in das Leben aller beteiligten Personen und so gibt es viele einzelne Geschichten, viele Rückblicke und Perspektivwechsel. Diese sind aber glücklicherweise keineswegs irreführend oder kompliziert, sondern fügen sich – nach und nach – zu einem großen Ganzen. Außerdem machen sie diesen Roman nicht nur lebendig, sondern vor allen Dingen abwechslungsreich, vielschichtig und interessant. Das und die recht kurzen Kapitel führen schnell dazu, dass man das Buch gar nicht erst aus der Hand legen kann.

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Der Schreibstil der Autorin ist dazu ganz wunderbar – mit vielen verschachtelten Sätzen und ausführlichen Beschreibungen haucht sie jeder Figur, jedem Ort und jedem Essen Leben ein, so dass schnell das Gefühl ausgelöst wird, sofort nach Spanien reisen zu wollen, mit den Menschen dort zu tanzen, sich zu unterhalten und vor allem in den Markthallen diverse köstliche Tapas zu probieren. Fernweh pur!

Ganz besonders haben mir die etwas überspitzt dargestellten Eigenarten der Spanier und Briten und die vielen Unterschiede zwischen beiden Nationen gefallen. Man kann gar nicht anders, als zu schmunzeln oder zu lachen, da manche Situationen nicht nur einem selbst bekannt vorkommen, sondern teilweise auch einfach zu merkwürdig sind. Selbstverständlich sind damit auch etwaige Klischees bedient, doch das stört hier keineswegs, weil alles auf so eine amüsante Art und Weise dargestellt wird, dass man sich gar nicht drüber ärgern kann. Wer also ein Freund von viel Humor ist, wird sich hier sicher sehr wohl fühlen.

Die „Warnung“ auf dem beigefügten Lesezeichen trifft es ganz gut: jeder Pessimismus wird bald über Bord geworfen und das Buch macht mit seiner unterhaltsam-skurrilen Geschichte schlichtweg gute Laune und eignet sich damit perfekt als Sommerlektüre. 

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Bibliografie:

ISBN: 978-3-85179-287-4 / Verlag: Thiele / Übersetzerin: Anja Rüdiger

Seiten: 360 / ET: 16.02.2015 / Originaltitel: „La felicidad es un té contigo“

11 Gedanken zu “[Rezension] Mamen Sánchez – „Die schönste Art, sein Herz zu verlieren“

  1. Hallöchen liebe Jess,
    schon als ich das Buch auf ARD gesehen habe, von Karla Paul vorgestellt, wollte ich es lesen und jetzt will ich es eigentlich noch viel mehr lesen. Es klingt wirklich nach einer richtig schönen Sommerlektüre. Und ich persönlich liebe es mich in Büchern zu verlieben! Es gibt doch fast nichts Besseres. :D
    Das Lesezeichen ist übrigens ein Traum!

    Liebst, Lotta

    • Liebe Lotta,
      ich habe auch von Karla zum ersten Mal von dem Buch gehört und mich eigentlich da schon ein bisschen verliebt – und es auch sofort auf die Wunschliste gesetzt. Und so wie sie es beschrieben hat, ist es auch – also unbedingt bald lesen ;-)

      Liebe Grüße!
      Jess

  2. Hallo Jess,

    ich freu mich schon wahnsinnig darauf, das Buch von Mamen Sánchez zu lesen. Deine Rezension hat mir gleich noch mehr Lust auf die Lektüre gemacht! Ich werde es in Spanisch lesen (meine Professorin freut sich sicher darüber) und bin daher vor allem auf die Schachtelsätze, die du erwähnst, gespannt. Mal sehen, ob sich diese nur wegen der Übersetzung ergeben haben oder ob das wirklich ihr Schreibstil ist.

    Liebe Grüße,
    Bine

    • Liebe Bine,

      ich habe das Buch im Rahmen einer deutsch-spanischen Leserunde gelesen, d.h. ein paar haben es auch auf spanisch gelesen und ihre Eindrücke geteilt und die Schachtelsätze sind auf jeden Fall vorhanden, nur anscheinend wegen der spanischen Satzstellung ein wenig schwerer zu verstehen als die im Deutschen. Auf jeden Fall viel Spaß damit! :-)

      Liebe Grüße,
      Jess

  3. Das klingt wirklich nach einem herrlichen Buch. Ich kann mich direkt in die Lesestimmung dafür versetzen, wenn ich deine Begeisterung so lese. Tatsächlich hätte ich jetzt nicht erwartet, dass du dem Buch 4/5 Ballerina gibst, weil ich eigentlich keine direkten Kritikpunkte in deiner Rezension entdecken konnte. Magst du mir dazu noch 1-2 Sätze sagen oder war das eine reine Bauchentscheidung?
    Liebe (neugierige) Grüße
    Mareike

    • Liebe Mareike,
      zum größten Teil ist das wirklich Bauchgefühl und für die 5 von 5 hätte auch nicht viel gefehlt – mir war es letztendlich stellenweise bzw. dann zum Schluss einfach ein wenig zu viel von allem. Darauf kann ich jetzt leider nicht genauer eingehen ohne zu spoilern, es ist auch nichts Gravierendes, nur hat es sich für mich eben eher nach 4/5 angefühlt. Also eigentlich 4,5 ;-)

      Liebe Grüße,
      Jess

      • Super, dann weiß ich Bescheid! Ich mache das auch oft aus dem Bauch heraus und meist fällt es mir schwer meine Entscheidung exakt zu begründen, denn jedes Buch ist ja irgendwie eine in sich abgeschlossene Sache. Dafür eine einheitliche Wertung zu finden, ist nicht immer leicht :)
        Liebe Grüße
        Mareike

  4. Hey,
    nachdem ich im Sonntagstanz gelesen hatte, dass du über „Die schönste Art, sein Herz zu verlieren“ eine Rezi geschrieben hast, musste ich direkt mal nachschauen und dein Eindruck deckt sich ziemlich mit meinem :) Mir hat das Buch auch richtig gut gefallen!

    Liebe Grüße
    Anna

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