[Rezension] Joël Dicker – „Die Geschichte der Baltimores“

csm_produkt-12531_717adf5fa8Mit „Die Geschichte der Baltimores“ ist nun vor kurzem der lange erwartete neue Roman von Bestsellerautor Joël Dicker erschienen.

In diesem erzählt Dicker – oder eher sein Protagonist Marcus Goldman, der Schriftsteller – die Geschichte seiner Familie. Es gibt nämlich zwei Goldman-Familien: die Goldmans aus Montclair – das wäre Marcus mit seinen Eltern – und die Goldmans aus Baltimore. Die Baltimores bestehen aus Marcus‘ Onkel Saul, Tante Anita und den Cousins Hillel und Woody. Und schon immer waren die Baltimores angesehener, besser, reicher und glücklicher als die Montclairs. So wollte Marcus bereits als Kind immer lieber ein Teil der Baltimores sein, als ein Teil der Montclairs. Doch alles änderte sich mit der Katastrophe. Jetzt liegt es an Marcus, die Geschichte der Baltimores zu erzählen.

Mit „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ habe ich den Autor ja erst vor sehr kurzem für mich entdeckt – tatsächlich lag beim Lesen des ersten Romans auch schon dieser bereit. Und so musste ich glücklicherweise nicht sehnsüchtig monatelang auf eine neue Geschichte warten, sondern konnte direkt weiterlesen und mich erneut in den wunderbaren Schreibstil von Dicker verlieben.

»Wenn Sie dieses Buch in die Hände bekommen, dann lesen Sie es, bitte. Ich möchte, dass jemand die Geschichte der Goldmans aus Baltimore kennt.«   – Seite 6

Auch hier treffen wir wieder auf den Protagonisten Marcus Goldman, den wir bereits in „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ beim Schreiben seines Romans begleitet haben. Diese Geschichte spielt natürlich nach den Ereignissen im letzten Roman und Goldman schreibt nun seinen nächsten Roman. Die Handlung baut also zwar durchaus auf dem ersten Roman auf, allerdings kann man diesen Roman beruhigt lesen, ohne den ersten zu kennen – auch wenn sich das Lesen des ersten überaus lohnt! Ich bin mir aber sicher, dass ich diese Geschichte mindestens genauso gern gelesen hätte, wenn ich die vorherige nicht gekannt hätte.

Die Geschichte der Baltimores Joel Dicker

Der große Unterschied dieser Geschichte zur vorherigen ist, dass es diesmal keinen Mordfall zu lösen gibt. Insofern ist diese Handlung nicht unbedingt durchgehend voller Spannung. Allerdings konnte mich Dicker mit der Geschichte seiner Jugend trotzdem zu genüge fesseln, es ist eben nur eine andere Art von Spannung. Es ist die Geschichte beider Familien, die mich mitreißen konnte, da sie so lebendig und authentisch erzählt wird.

Die gesamte Geschichte läuft allerdings auf einen großen Höhepunkt hinaus: die Katastrophe. Irgendetwas ist zu einem bestimmten Zeitpunkt geschehen, das Marcus‘ Leben geprägt hat und die Familie Goldman unwiderruflich zerstört hat. Doch bevor man als Leser erfährt, was es mit dieser Katastrophe auf sich hat, lernt man das Leben der Montclairs und Baltimores kennen. Vor allen Dingen das der Baltimores. Und insbesondere die Ereignisse um die „Goldman-Gang“, bestehend aus den drei Cousins Marcus, Hillel und Woody, habe ich unheimlich gerne gelesen. Goldman erzählt von seinen Ferien mit der Goldman-Gang, von den Erlebnissen und man hat als Leser das Gefühl, selbst ein Teil dieser Gang zu sein. Diese spezielle jugendliche Freude am Leben ist deutlich spürbar, genauso wie die warme Meeresluft in den Hamptons.

»Ich erinnere mich an eine lange Reihe immer gleicher Tage, über denen der Duft der Unsterblichkeit schwebte. Was wir dort machten? Wir lebten unsere triumphale Jugend.« – Seite 39

Der Großteil der Handlung spielt sich innerhalb dieser Rückblicke und Einblicke in die Vergangenheit ab, schließlich erzählen diese die Geschichte der Baltimores. Doch auch die kleine nebensächliche Handlung in Marcus‘ Gegenwart mochte ich ganz gerne. Insgesamt ist es eben wieder eine sehr interessante Mischung aus verschiedenen Orten, Perspektiven und Charakteren. Gerade die Charakterzeichnung gelingt Dicker wieder einmal ausgezeichnet. Auch die gesamte Entwicklung und letztendlich auch die „Auflösung“ um die Ereignisse der Katastrophe konnten mich überzeugen, sogar überraschen. Diese kleinen Überraschungseffekte kann der Autor definitiv gelungen in seine Geschichten einbringen und dazu braucht es gar nicht mal einen aufwendigen Mordfall oder eine Krimi-Stimmung, wie es in seinem letzten Roman der Fall war.

»Träume und träume groß! Nur die größten Träume überdauern. Die anderen werden vom Regen fortgespült und vom Wind verweht.« – Seite 264

Durch „Die Geschichte der Baltimores“ habe ich mich noch ein kleines bisschen mehr in Dickers Schreibstil verliebt. Obwohl er diesmal eine etwas ruhigere Geschichte erzählt, ist es trotzdem eine überaus interessante Geschichte über eine Familie, in der nicht alles so ist, wie es scheint, aber auch eine Geschichte über eine alles überdauernde Freundschaft. Die Goldmans aus Baltimore sollte man unbedingt selbst kennen lernen.

5ballerinas

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Bibliografie:

ISBN: 978-3-492-05764-6 / Verlag: Piper 

Übersetzer: Andrea Alvermann & Brigitte Große

Seiten: 512 / ET: 02.05.2016 / Originaltitel: „Le Livre de Balimore“

11 Gedanken zu “[Rezension] Joël Dicker – „Die Geschichte der Baltimores“

  1. Hallo liebe Jess,

    vielen Dank für deine tolle Rezension. Ich wusste überhaupt nicht, dass der Autor ein neues Buch veröffentlicht hat und da mich „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ auch begeistert hat, steht das neue Buch nun ganz oben auf meiner Wunschliste. Ich bin total gespannt auf die neue Geschichte um Marcus Goldman.

    Liebe Grüße, Marie

  2. Du hast offenbar einen neuen Lieblingsautor gefunden. :) Ich muss die Bücher auch endlich mal zu Gemüte führen. Immerhin gibts den ersten Roman nun als Taschenbuch, ein Grund endlich mal zuzuschlagen. :)

  3. Moin!
    Vielen Dank für die Besprechung! Ich lese das Buch auch gerade und bin begeistert…
    Es wird bestimmt ein `Leseschatz´ ;-)

  4. Janine2610 schreibt:

    Hallo Jess,

    mit Joel Dicker habe ich auch einen Lieblingsautoren mehr für mich entdeckt. Bereits 2013 habe ich seinen Debütroman gelesen und geliebt und ich habe tatsächlich lange auf weiteren Lesestoff von ihm warten müssen. Aber nun ist er da und ich habe die Baltimores auch erst gelesen und rezensiert …
    Ich finde, dass du den Buchinhalt in deinem ersten Absatz wahnsinnig gut zusammenfassen konntest! Verrät nicht zu viel, macht nur sehr, sehr neugierig. ;)
    Genauso wie du, bin ich der Meinung, dass man die Baltimores unbedingt kennenlernen sollte, vor allem aber die Goldman-Gang, die es mir wirklich angetan hat.
    Etwas schade, aber das habe ich in meiner Rezension nicht bekrittelt, fand ich, dass Dicker hier in diesem Buch gar kein einziges Wort über den Fall Harry Quebert verloren hat bzw. über die Zeit in 2008, als er jenes Buch geschrieben hat … Aber ist auch in Ordnung und hat meine Bewertung gar nicht beeinflusst.
    Ich habe deine Rezension übrigens wieder in meiner mitverlinkt, ja?
    https://janine2610.blogspot.co.at/2016/05/rezension-die-geschichte-der-baltimores.html

    Alles Liebe ♥,
    Janine

    • Liebe Janine,

      vielen Dank für deine lieben Worte und auch für’s Verlinken! :-)

      Ich finde es eigentlich gar nicht so tragisch, dass Goldman den Quebert Fall nicht erwähnt. So kann man beide Bücher auch als alleinstehende Romane lesen und immerhin wird, meine ich, erwähnt, dass er in dieser Zeit ein Buch geschrieben hat. Das hat für mich schon gereicht. :-)

      Und die Goldman-Gang hat es mir auch ganz besonders angetan! <3

      Liebste Grüße,
      Jess

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