[Rezension] Charlie Lovett – „Jane Austens Geheimnis“

Jane Austens Geheimnis CoverDer Buchtitel „Jane Austens Geheimnis“ von Charlie Lovett hat alleine durch den Titel und die Buchbeschreibung meine Aufmerksamkeit gewonnen – denn Jane Austen und Bücher, das kann nur eine gute Geschichte werden.

Sophie Collingwood ist nämlich eine passionierte Buchsammlerin und Jane-Austen-Liebhaberin. Ihre Leidenschaft für Bücher und ihre Geschichte hat sie von ihrem Onkel geerbt, welcher sie bereits in frühen Jahren in die Welt der Bücher eingeführt hat. Als ihr Onkel unversehens stirbt, zieht sie nach London in seine Wohnung und tritt eine Stelle in einem Antiquariat an.

Dort erreichen sie kurz hintereinander gleich zwei Kundenanfragen für ein Buch, welches weder bekannt noch außergewöhnlich zu sein scheint und welches scheinbar nirgendwo aufzufinden ist. Doch Sophie entdeckt nach und nach die Geheimnisse dahinter auf – und findet sich plötzlich in einem nicht ganz ungefährlichen Abenteuer wieder.

»Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau.« – Seite 192

Obigen Satz dürften auch diejenigen kennen, die nicht unbedingt großartige Liebhaber von Jane Austen sind – der Anfangssatz von „Stolz & Vorurteil“ dürfte jeder schon einmal irgendwo gelesen oder gehört haben. Und die Geschichte hinter „Jane Austens Geheimnis“ dreht sich – wie der Titel vermuten lässt – tatsächlich ganz um die Schriftstellerin und ihre Bücher. Insbesondere auf eben „Stolz & Vorurteil“ wird hier der Fokus gelegt und die Entstehung dieser Geschichte.

Rezension zu "Jane Austens Geheimnis" von Charlie Lovett, Goldmann, 2016 (primeballerina's books)

Dabei vermischt der Autor wahre Fakten mit Fiktion und kreiert so eine umfassende und interessante Geschichte. Denn neben dem eigentlichen Handlungsstrang um Sophie Collingwood darf man als Leser auch für kurze Augenblicke in das Jahr 1796 abtauchen und Jane Austen selbst bei ihrer schriftstellerischen Entwicklung begleiten. Hier hat Lovett die fiktive Figur des Richard Mansfield geschaffen, einen engen Freund von Austen, welcher sie beim Schreiben mit allerlei Ratschlägen und ermunternden Worten unterstützt hat.

»Ein gutes Buch ist wie ein guter Freund. Es wird dich für den Rest deines Lebens begleiten. Am Anfang wird es spannend und abenteuerlich sein, und Jahre später wird es zu etwas Tröstlichem, Vertrautem werden. – Seite 45

Der Originaltitel dieses Romans, „First Impressions“, bezieht sich auf den eben ersten Entwurf von dem späteren Roman „Stolz & Vorurteil“, der den Titel „Erste Eindrücke“ trug. Damit beschäftigt sich auch die eigentliche Protagonistin, Sophie Collingwood, die man höchstwahrscheinlich gleich von der ersten Seite an sympathisch finden wird, wenn man eben selbst – wie auch ich – solch eine Buchliebhaberin ist. Sophies Liebe und Verbundenheit zu ihrem Onkel ist auf jeder einzelnen Seite spürbar und alleine deswegen lohnt es sich, diese Geschichte zu lesen. Allerdings ist Sophies Geschichte auch mit einer Prise Romantik bedacht worden, die ich zwar anfangs mochte, doch mit den zunehmenden Verwirrungen um gewisse Männer wurden mir Sophies Verhaltensweisen etwas suspekter, was mich ehrlicherweise etwas gestört hat, obwohl es im Grunde nicht groß Auswirkung auf die eigentliche Handlung hat – die mir eben sehr gut gefallen hat.

Rezension zu "Jane Austens Geheimnis" von Charlie Lovett, Goldmann, 2016 (primeballerina's books)

Doch so sehr ich Sophies kleines Abenteuer mochte, muss ich zugeben, dass es mir vor allem die Geschichte rund um Jane Austen angetan hat. Auch wenn sich Lovett einige Dinge hier ausgedacht hat und nicht alles der Wahrheit entspricht, so fand ich diese Geschichte trotzdem recht glaubhaft und interessant. Neben den vielen Bezügen zu „Stolz & Vorurteil“ findet man nämlich auch viel zu Austens anderen Romanen, vor allem zu „Verstand und Gefühl“ sowie „Northanger Abbey“. Da diese ausgerechnet zu meinen liebsten Austen-Romanen gehören, war dies natürlich umso schöner. Wie gut und glaubhaft Lovett Fakten und Fiktion miteinander vermischt hat, hat mir unglaublich gut gefallen. Und ich muss zugeben, dass ich tatsächlich überrascht war, dass solch ein Buch aus der Feder eines Autors stammt, würde man doch meinen, dass es meist Frauen sind, die Austens Bücher so sehr lieben. Doch Charlie Lovett ist selbst ein Buchliebhaber und Antiquar, was eben diesen Roman erklärt und auch die Tatsache, dass seine Liebe zu Büchern auch so gut beim Leser ankommt.

Wer sich auch nur ein wenig für Jane Austen und ihre Werke interessiert oder ihre weltberühmten Romane gelesen hat, der wird von „Jane Austens Geheimnis“ begeistert sein. Ein Buch von einem Buchliebhaber für Buchliebhaber und eine ganz klare Leseempfehlung.

5ballerinas

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Bibliografie:

ISBN: 978-3–442-48404-1 / Verlag: Goldmann / Übersetzung: Ulrike Laszlo

Seiten: 416 / ET: 18.07.2016 / Originaltitel: „First Impressions“

8 Gedanken zu “[Rezension] Charlie Lovett – „Jane Austens Geheimnis“

  1. Liebe Jess,

    das klingt ja nach einer wahrlich wunderschönen Geschichte!
    Ein klitzekleines bisschen erinnert es mich an „Jane Austen bleibt zum Frühstück“, aber das Buch wandert auf jeden Fall erstmal auf die Wunschliste!
    Danke, für die Empfehlung!

    Liebe Grüße
    Ramona

  2. Von Charlie Lovett habe ich „Das Buch der Fälscher“ gelesen, das mir sehr gefallen hat. Da könnte ich mir auch gut vorstellen, dass er es mit Jane Austen aufnehmen könnte. Inzwischen bin ich nämlich immer sehr skeptisch, wenn Jane Austen im Titel steht. 😀

  3. Hallo Jess,

    ich glaube, ich würde dieses Buch auch schon alleine wegen des Titels kaufen. Es hört sich nach einem tollen Buch an und wandert sofort auf meine Wunschliste.

    Liebe Grüße
    Culala

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