[Rezension] Alex Gino – „George“

u1_978-3-7373-4032-8 (1)Auf „George“ von Alex Gino war ich im Vorfeld schon sehr gespannt – erzählt es mal eine ganz andere Geschichte.

Die 10-jährige George wurde nämlich zwar als Junge geboren, aber bereits in ihrem doch recht jungen Alter ist sie sich schon sicher: sie ist eigentlich ein Mädchen. Sie möchte nicht als Junge bezeichnet werden, schon gar nicht als junger Mann, stattdessen möchte sie gemeinsam mit ihrer besten Freundin Kelly Röcke anziehen und sich schminken. Deswegen möchte George im kommenden Theaterstück der Schule die Rolle der Charlotte spielen – damit auch allen anderen bewusst wird, dass George eigentlich ein Mädchen ist.

In der heutigen Zeit sollte solch ein Buch eigentlich nichts Außergewöhnliches sein, aber tatsächlich gibt es innerhalb der Unterhaltungsliteratur recht wenige Bücher, die sich mit dem Thema Transgender auseinander setzen. Und allein schon deswegen lohnt es sich, „George“, zu lesen – um wenigstens einen kleinen Einblick in diese Gefühls- und Gedankenwelt zu bekommen. Alex Gino kennt sich mit diesem Thema natürlich bestens aus und ich denke, das ist für solch eine Geschichte auch unfassbar wichtig, um eben einen sehr authentischen und realitätsnahen Einblick erhalten zu können.

Rezension zu "George" von Alex Gino, 2016 (primeballerina's books)

Georges Geschichte ist vor allem sehr berührend – denn als Leser leidet man direkt mit ihr mit und möchte ihr einfach nur so gerne helfen, wenn ihr der Mut fehlt, sich gegenüber ihrer Mutter, ihrem Bruder oder ihrer besten Freundin zu öffnen. Und ein wenig habe ich die 10-jährige George auch bewundert – denn ich kann mir nur schwer vorstellen, mir in dem Alter wegen irgendwas so sicher gewesen zu sein. Allerdings ist auch nur schwer vorstellbar, wie man sich fühlt, wenn man im falschen Körper ist.

Doch so sehr mir diese leider recht kurze Geschichte gefallen hat – ich habe irgendwie so meine Zweifel, ob die Reaktionen tatsächlich, im wahren Leben, so positiv wären. Es ist natürlich fantastisch, dass Georges beste Freundin sie einfach so hinnimmt und es für sie geradezu selbstverständlich ist, dass George eben ein Mädchen sein will. Aber ob das auch realistisch ist, ist eben ein anderes Thema. Wünschenswert, ja, natürlich. „George“ ist eben doch ganz klar ein Kinderbuch – super, um Kindern oder auch Jugendlichen die Thematik nahe zu bringen, aber ich hatte ehrlicherweise etwas mehr Tiefgang erwartet.

Trotzdem ein sehr lesenswertes Buch, das hoffen lässt, dass in Zukunft vielleicht noch mehr Bücher mit ähnlichen Themen kommen werden.

4Ballerinas

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Bibliografie:

ISBN: 978-3-7373-4032-8 / Verlag: Fischer / Übersetzung: Alexandra Ernst

Seiten: 208 / ET: 25.08.2016 / Originaltitel: „George“

3 Gedanken zu “[Rezension] Alex Gino – „George“

  1. Hallöchen liebe Jess,
    ich muss sagen, dass „George“ mir gerade deswegen so gut gefallen hat, weil es so selbstverständlich war und so .. naja wie soll ich sagen „durch Kinderaugen geschrieben“. Ich habe es sehr genossen, aber es wurde mir dadurch auch gezeigt, dass ich nicht so ganz frei von allen Vorurteilen bin, wie ich immer von mir gedachte habe. Ja, irgendwie weckt es komische Gefühle in mir den Namen „George“ zu lesen und es mit dem Personalpronomen „sie“ zu verbinden.
    Ich fand das Buch wirklich stark.

    Liebst, Lotta

    • Liebe Lotta,

      yay, du bist wieder zurück! :-)

      Ich habe ja auch gar nichts dagegen, dass es eben eher ein Kinderbuch ist, ich hatte nur etwas „erwachseneres“ erwartet – an das andere Personalpronomen hatte ich mich aber tatsächlich schnell gewöhnt, auch wenn es natürlich auf den ersten Blick ungewohnt war. Aber für mich war George einfach George im Sinne von Georgie – also ein Mädchen. Aber ja – das Umdenken ist doch nicht so leicht, egal wie vorurteilsfrei man sein möchte.

      Liebe Grüße!
      Jess

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