[Rezension] Jennifer Niven – „Holding Up The Universe“

9780141357058Mit ihrem Debütroman „All die verdammt perfekten Tage“ konnte mich Jennifer Niven ganz gut von sich überzeugen. Da sie sich schon da einem schwierigen Thema gewidmet hatte, war ich nun natürlich sehr auf ihre neue Geschichte gespannt.

In „Holding Up The Universe“ stehen aufs Neue zwei Charaktere im Vordergrund. Libby soll nun, nach jahrelanger Abstinenz, wieder auf eine Schule gehen. Sie selbst möchte es, freut sich auch darauf, fürchtet sich aber doch vor den Reaktionen ihrer Mitschüler. Denn Libby ist als America’s Fattest Teen bekannt; hat sie als Reaktion auf den sehr plötzlichen Tod ihrer Mutter gegessen. Sehr viel. Und sich dann in ihrem Zimmer verschanzt, bis sie schließlich tatsächlich aus ihrem Bett, aus ihrem Haus, von der Feuerwehr herausgeschnitten werden musste, weil sie es selbst nicht geschafft hätte, das Haus zu verlassen.

Jack dagegen leidet an Prosopagnosie. Das heißt, er kann sich keine Gesichter merken. Er kann sie sehen, sie jedoch nicht zuordnen. Anhand spezieller Merkmale versucht er, sich seine Familienmitglieder und Freunde einzuprägen. Das klappt allerdings nicht immer. Doch Jack mogelt sich irgendwie durch – denn niemand außer ihm weiß etwas von seiner Krankheit.

»But she can’t stop me from dancing. No one’s going to tell me not to dance anymore. No one should tell you what you can or can’t do either. Including you.«

Ich habe mich bereits im Vorfeld wirklich auf Nivens neuen Roman gefreut, hat mir doch der Schreibstil der Autorin gut gefallen, genauso wie die Tatsache, dass sie eben schwierigere Themen aufgreift. Und die Themen sind in der Tat sehr ernst. Denn Libby selbst leidet beispielsweise eher weniger an ihrem Übergewicht, auch wenn sie natürlich gerne noch mehr abnehmen würde, als sie es bereits getan hat. Doch sie verliert sich nicht in ihrem Mitleid, vielmehr möchte sie sich sogar der Cheerleader-Gruppe an ihrer Schule anschließen. Das Problem sind vielmehr – wie so oft – die anderen. Kinder, insbesondere Jugendliche, können nun mal grausam sein. So dauert es nicht lange, dass sie ihre neue Mitschülerin anfangen, zu beschimpfen und zu mobben. Vor allem, da sich sehr schnell rumspricht, was es mit Libbys Vergangenheit auf sich hat.

Jack ist einer der beliebteren Jungen der Schule und in einer On-Off-Beziehung mit Caroline, der Anführerin der Cheerleader. Dass er sie und seine Freunde täglich mehrmals aufs Neue als solche identifizieren muss, bekommen sie nicht mit. Dass Jacks Geschichte damit beginnt, dass er auf einer Party statt Caroline ihre Freundin geküsst hat, gestaltete für mich persönlich seine Argumentation gegen das Teilen seiner Krankheit etwas unglaubwürdig.

»If everyone who had something to say about me spent as much time on, I don’t know, practicing kindness or developing a personality or a soul, imagine how lovely the world would be.«

Ich muss leider zugegeben, dass ich tatsächlich die gesamte Handlung über nicht so recht einen Bezug zu den Charakteren aufbauen konnte. Auch wenn sie mehr oder weniger sympathisch waren und ich ihre Geschichten auch ganz gerne gelesen habe, ging es – für mich persönlich – nicht über das Mittelmaß hinaus. Gerade Jacks Verhalten fand ich zu oft zu unglaubwürdig, gerade was seine wachsende Beziehung zu Libby angeht. Irgendwie konnte ich ihm das teilweise einfach nicht abkaufen, auch fand ich sein Verhalten ihr gegenüber oft zu widersprüchlich. Die Entwicklung dieser Freundschaft/Beziehung zwischen Jack und Libby war deswegen auch für mich eher weniger nachvollziehbar. Ich hätte die beiden gerne gemocht, aber leider wollte der Funke bis zum Schluss nicht überspringen. Auch der Schluss an sich war etwas zu abrupt, zu unvollständig. Da mich gerade Nivens erste Geschichte überhaupt erst am Schluss wirklich für sich begeistern konnte, ist mir der nüchterne Schluss erst recht negativ aufgefallen.

(Aber – einen kleinen Pluspunkt gibt es für die große Supernatural-Liebe der Autorin!)

Niven behandelt in „Holding Up The Universe“ sicherlich ein ernstes und schweres Thema und an sich ist es auch eine gute Geschichte. Da ich aber die Charaktere und deren Entwicklung leider nur so mittelmäßig fand, konnte mich Niven diesmal einfach nicht so recht überzeugen.

3Ballerinas

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Bibliografie:

ISBN: 978-0385755924 / Verlag: Penguin UK / Seiten: 432 / ET: 06.10.2016  

Deutsche Ausgabe: –

7 Gedanken zu “[Rezension] Jennifer Niven – „Holding Up The Universe“

  1. Elli schreibt:

    Moin, Moin!
    Ich dachte schon, ich bin die Einzige, die das Buch nicht vollkommen überzeugen konnte. Mir war die Entwicklung der Beziehung der beiden zueinander viel zu schnell, ich konnte das gar nicht richtig nachvollziehen. Plötzlich waren da Schmetterlinge und ich habe vorher überhaupt kein Knistern zwischen ihnen gespürt! Es konnte mich nur eine Sache wirklich zum Mitfiebern anregen, und das war Jacks Krankheit. Wirklich schade, denn ich hatte mich auch schon wahnsinnig auf das neuste Werk von Niven gefreut. Vielleicht wird das nächste ja wieder besser. :)
    Liebste Grüße,
    Elli

  2. Halli Hallo,
    kann mich deiner Meinung leider nur anschließen. Einziger Unterschied ist, dass ich schon „All die verdammt perfekten Tage“ nicht so berauschend fand. Schade eigentlich, denn die Thematik gefiel mir in beiden Fällen!
    Lieben Gruß,
    Giv ♥

    • Ja, bei All die verdammt perfekten Tage hat es ja auch nur das Ende etwas herausgerissen – den Großteil mochte ich beim Lesen auch nicht so sehr, wie ich es mir erhofft hatte. Sehr schade!

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