Ein paar Worte zu „Den Mund voll ungesagter Dinge“ von Anne Freytag

Eigentlich würde euch an dieser Stelle eine Rezension zu „Den Mund voll ungesagter Dinge“ von Anne Freytag erwarten, aber beim Schreiben habe ich gemerkt, dass der Text einfach keine Rezension ist.

Ganz ehrlich? Ich hatte mich wirklich sehr auf den neuen Roman von Anne Freytag gefreut, allen voran der LGBT-Thematik wegen. Endlich traut sich auch mal eine deutsche Autorin ran!, hatte ich gedacht und habe einen lesenswerten Jugendroman erwartet. Doch ich sage es gleich – ich habe das Buch nach 218 Seiten abgebrochen und erzähle euch hiermit auch gleich weshalb ich es abgebrochen habe.

Sophie war mir bereits von der allerersten Seite an nicht unbedingt sympathisch. Sie sträubt sich absolut gegen den unmittelbar bevorstehenden Umzug von Hamburg nach München und verhält sich auch nach der Ankunft in München ein bisschen sehr wie eine verzogene Göre. Kurz zur Erklärung für diejenigen, die den Inhalt nicht kennen: Sophie und ihr Vater ziehen zur Freundin des Vaters, die mit ihren beiden Söhnen in München lebt. Zum allerersten Mal im Leben hat es Sophies alleinerziehender Vater gewagt, etwas für sich selbst zu tun und mit seiner Tochter zu der Frau zu ziehen, die er liebt. Sophie ist das ziemlichst egal, sie sieht nur ihr eigenes Unglück.

Dass ein so krasser Umzug den Alltag auf den Kopf stellt, gerade wenn man noch zur Schule geht, kann ich noch bis zum gewissen Maß nachvollziehen, das ist gar nicht das Problem. Wobei ich mir schon die Frage stelle, weshalb Sophie der Umzug überhaupt etwas ausmacht, wo sie eh keine Freunde in Hamburg hat – ihr bester Freund wohnt nämlich in Frankreich. Und Skype gibt’s auch in München. Aber nun gut. Übrigens – besagter bester Freund nennt seine beste Freundin, also Sophie, „Flittchen“. Ja, „Flittchen“, ihr habt nichts falsch gelesen. Entschuldige, aber in welchem Universum kann man so eine Bezeichnung in irgendeinem Kontext „nett“ meinen?! Die Erklärung hierzu lautet übrigens, dass Sophie wie ein „modernes Schneewittchen“ aussähe, wenn sie roten Lippenstift trägt und einen Mund hätte, der „viel zu obszön“ wäre. Deswegen „Schneeflittchen“ aka „Flittchen“. Seriously?!

Dass die Protagonistin mir also von Anfang an eher unsympathisch war, wäre jetzt für mich kein absolutes Ausschluss-Kriterium, ich bin nicht der Ansicht, dass Protagonisten immer supersympathisch sein müssen. Es kommt nur immer auf deren Verhalten an. Und sorry, aber Sophies Verhalten geht einfach gar nicht. Und der Höhepunkt war schließlich dieser Abschnitt:

»Die Wahrheit ist nämlich, dass ich fast immer Scheiße baue, wenn ich auf eine Party gehe. Ich nehme mir vor, nichts zu trinken, trinke dann aber doch jedes Mal, weil ich die meisten Menschen nicht nüchtern ertrage. […] und auf einmal knutsche ich mit irgendeinem dahergelaufenen Typen, ohne zu wissen, wie das passieren konnte. […] Und dann schlafe ich mit ihm. Nein, eigentlich stimmt das nicht. Eigentlich liege ich nur mit gespreizten Beinen auf dem Rücken, starre an die Decke und warte, bis der jeweilige Typ fertig ist.« – Seite 166

Ich habe diese Stelle tatsächlich mehrmals gelesen. Weil ich einfach nicht fassen konnte, dass das wirklich so dort stand. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man sich so verhalten kann. Und wieso man als Autorin überhaupt so einen Charakter erschafft, der sich so verhält. Wenn ich daran denke, dass so viele junge Mädels, die gerade selbst ihre ersten sexuellen Erfahrungen machen, dieses Buch und vor allem diese Stelle lesen, wird mir etwas schlecht. Natürlich kann man über alles schreiben, was man so möchte, aber ich finde schon, dass man gerade im Jugendbuchbereich doch eine gewisse Verantwortung gegenüber den Lesern hat. Und sorry, aber das geht einfach nicht! Ich bin glücklicherweise selbst aus diesem Alter raus, aber ich würde doch behaupten, dass es da draußen durchaus die ein oder andere Leserin gibt, die sich durch so einen Text bestätigt fühlt oder der damit vermittelt wird, dass es okay wäre, sich so zu verhalten. Und ich kann schlichtweg nicht nachvollziehen, wie man als erwachsene Frau so etwas schreiben und veröffentlichen kann.

»Ich bin einer von diesen Idioten, die sich immer gleich verhalten und dann wundern, dass sich nie etwas ändert.« – Seite 168

Sophie weiß also anscheinend doch, dass sie sich vollkommen idiotisch verhält. Macht aber munter weiter. Gut, dass sie wenigstens sich selbst als Idiotin bezeichnet. Doch das sollte eigentlich nicht die Message eines Jugendromans sein. Dass es okay ist, sich wahllos zu betrinken und sich flachlegen zu lassen, auch wenn man in dem Moment, in dem man es tut, sich dessen bewusst, wie abgrundtief falsch es ist.

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle nun auch sagen, dass es bereits über eine Woche her ist, dass ich das Buch abgebrochen habe. Und ich immer noch vollkommen entsetzt darüber bin. Ich möchte also gerne klar stellen, dass ich das alles nicht aus dem Moment heraus schreibe, sondern es erst habe sacken, die allererste Wut habe abtauen lassen. Aber bei all den guten Bewertungen bleibt mir vollkommen unverständlich, wie so viele Leser dieses Buch – und den Inhalt dahinter – als gut befinden konnten.

Mich würde nun interessieren, wie ihr die angesprochenen Stellen findet und wie ihr dazu steht? Oder, falls ihr es schon gelesen habt, weshalb ihr das Buch als gut und empfehlenswert empfunden habt?

BTW, Herr Booknerd hat das Buch übrigens ganz gelesen und auch seine Kritik dazu niedergeschrieben. Sehr, sehr lesenswert!

42 Gedanken zu “Ein paar Worte zu „Den Mund voll ungesagter Dinge“ von Anne Freytag

  1. thatyvo schreibt:

    Danke! Ich habs fertig gelesen und kann dich beruhigen – es wird nich mehr besser. Der einzige Grund, weshalb ich keinen Rant geschrieben hab ist der, dass dieses Buch keine Aufmerksamkeit mehr verdient. Allerdings hab ich deinen sehr gern gelesen! :D

      • Oh und ich wollte schreiben „mal schauen auf was die Autorin hinzielt. Welche Hintergründe hinter Sophies Verhalten stecken“, aber laut That Yvo gibt es wohl keinen Twist. Schade, denn eigentlich mag ich die Schreibe der Autorin gerne.
        Ich würde mir das Buch nun nicht mehr kaufen, aber ich habe es vom Verlag unaufgefordert zugesendet bekommen und überlege mir nun noch, ob ich es noch lese oder nicht.
        Ich kenne einige Jugendliche, die sich genauso verhalten, aber dort liegen „triftige Gründe“ vor. Beziehungsabbruch der Eltern, Drogenkonsum der Eltern etc. Aber es gibt auch etliche Eltern, die ihre Töchter im Alter von 10, 11 Jahren so Serien wie „Berlin Tag und Nacht“ schauen lassen und sich dann über unangemessenes sexuelles Verhalten wundern.
        Gerade Medien haben mehr Einfluss, als manche denken, daher finde ich es auch sehr schwierig eine solche Protagonistin zu entwerfen.
        Liebe Grüße
        Nanni

      • thatyvo schreibt:

        Ja, eigentlich schon^^ Ich bin aber auch ziemlich froh, dass ich nicht allein da stehe :)

        @Nanni: Ganz ehrlich, wenn es dich interessiert, lies es und bilde dir deine eigene Meinung. Ich und ich denke auch Jess möchten keinem davon abraten. ich persönlich sehe die Problematik des Buches nicht mal im Verhalten der Protagonistin – klar, die hat mich auch genervt – aber vielmehr gestört hat mich, dass Diversity hier groß geschrieben wird und man damit wirbt, einfach weils gerade „im Trend“ ist.

  2. Ich habe das Buch nicht gelesen. Werde es auch nicht lesen, weil es einfach nicht mein Genre ist. Ich verstehe es, dass du dich aufregst. Kurzzeitig, beim Lesen der Textstelle, dachte ich, das ich mich verlesen habe. Aber nein.
    Ich meine, wenn es eine erwachsene Frau gewesen wäre und somit auch in dieses Genre fällt, würde ich es in Ordnung finden, weil es nunmal solche Menschen gibt und man auch darüber schreiben muss. Trotzdem sollte dann, mMn, am Ende irgendeine Wendung im Leben des Menschen sein. Wnedung der Einstellung, des Lebenstils etc. Aber in einem Jugendbuch finde ich das auch ein bisschen absurd. Es könnte wirklich in falsche Hände gelangen.

  3. Hallöchen :)
    ich beobachte diess Buch jetzt auch schon eine Weile, besonders weil Anna Freytag beim LovelyBooks Lesertreff auf der Leipziger Buchmesse anwesend sein wird. Über den Klappentext bin ich jedoch noch nicht hinausgekommen. Und bin ehrlich gesagt ziemlich entsetzt über die Textstellen. Ich habe das Gefühl, dass im Jugendbuchbereich immer mehr Bücher mit solchen extremen Charakteren auftauchen. Wo sind denn die Bücher, wo es um den ersten Kuss, den ersten Freund und ein gebrochenes Herz geht, ohne dass ich mich durch halbe Pornos dabei lesen muss.
    Für mich hat sich das Buch damit erledigt, denn Charaktere, die eine schlechte Vorbildfunkton haben, gehen meiner Meinung nach gar nicht.
    Liebe Grüße
    Jule

    PS.: Würde mich jemand Flittchen nennen, würde ich nie wieder ein Wort mit ihm reden.

  4. Ahoi!
    Ich habe das Buch bisher nicht gelesen, deswegen finde ich es schwierig, mir da eine Meinung zu bilden. Allein von den Zitaten her würde ich sagen, dass mit Sophie ein Charakter abgebildet wird, den es zumindest in den Großstädten nicht selten gibt. Wichtiger wäre mir da, wie dieses Verhalten im Kontext der gesamten Story dargestellt und bewertet wird…

    • Ja, kann ich verstehen und das ist auch nur richtig so! Ich wollte jetzt nicht den gesamten Inhalt darstellen, aber bewertet wird dieses Verhalten nicht wirklich, soweit ich den Eindruck hatte. Und nach Gesprächen mit anderen Lesern wird es wohl auch weiterhin nicht besser… generell würde ich ja eh immer sagen, dass sich jeder selbst eine Meinung bilden muss. Und ja, wenn Sophies Verhalten etwas anders dargestellt gewesen und bewertet wäre, würde das die Sache vielleicht ändern. Aber so… nunja.

      • Ach das ist doch alles Rotz :( ich mag Jugendbücher mit sperrigen Charakteren, aber es sollte nicht unkritisch bleiben…mal gucken. Reizen würde mich das Buch so oder so, wird aber eher noch dauern. Und wenn ich dich und andere so höre, ist das auch nicht schade.
        Aber toll, dass du dir auf diese Weise Luft gemacht hast! :)

      • Ja, ich habe selbst absolut nichts gegen sperrigere Charaktere, die können eine Handlung tatsächlich überhaupt erst interessant machen. Aber kommt eben immer auf das „wie“ an.

  5. Ich finde deine Kritik zum einen sehr respektvoll und treffend geschrieben, zum anderen auch sehr angebracht. Ich sehe es ebenfalls so, dass Jugendbücher eine gewisse Verantwortung haben. Ich hätte Verständnis für eine solche Figur, wäre sie die Protagonistin eines Frauenromans, die ein paar Jährchen älter ist. Aber eine Jugendliche, die sich – vermutlich nicht einmal volljährig – betrinkt und – sorry, aber danach klingt das Zitat für mich – rumhurt, ist ein absolut falsches Vorbild. Das schlimme daran ist, dass junge Menschen solche Figuren unter Umständen nicht einmal reflektieren. Deswegen finde ich auch Bücher, in denen junge Protagonistinnen sich von „Bad Boys“ herumkommandieren lassen, ziemlich nervig. Das heißt nicht, dass ich den Bad Boy-Stereotypen in anderen Genre nicht ab und zu mal gerne lese, das tue ich nämlich, aber es kommt aufs Genre an. Von daher: Danke für deine ehrliche und sehr angenehm zu lesende Kritik. Du hast es geschafft, deine Meinung sachlich und authentisch rüberzubringen.

    • Vielen, vielen Dank! Hatte vor dem Drücken des „Publizieren“-Buttons etwas Bedenken, wie der Beitrag aufgenommen werden könnte, aber ich fand das Thema zu wichtig, um es zu verschweigen.

    • umblaettern schreibt:

      Tatsache ist doch, dass es Mädchen gibt, die sich genauso verhalten. Ich denke, dass es hier nicht grundsätzlich darum geht, dass man sie sich als Vorbild nehmen soll. BTW krieg ich persönlich ja immer die Krise beim Wort rumhuren, Slutshaming lässt grüßen.

      Ich finde es durchaus wichtig, dass sich Mädchen und junge Frauen in Charakteren wiederfinden können, die in ihrem Alter mit sich kämpfen, mit ihren Zweifeln an ihrem Leben, ihrem Hang zur Selbstzerstörung. Ich war so ein Mädchen. Ich hätte das gerne gewollt und nicht die rosarote Zuckerwelt, wo die nichterwiderte Liebe vom Schwarm und der fette Pickel am Kinn schon den Weltuntergang bedeuten.

      ABER: es ist auch wichtig, dass diese Figuren einen Weg finden, damit umzugehen. Dass deutlich wird, dass man sich sicher so fühlen kann und dass das irgendwo auch ein Punkt ist, an dem man sich befinden kann, dass der aber nicht gut ist und überdacht werden muss.

      Ich habe das Buch nicht gelesen und werds sicher auch nicht, aber ich wollte das mal gesagt haben.

      • Danke dir für deinen Kommentar! :-)

        Ich würde mir tatsächlich mehr Bücher wünschen, in denen nicht alles zuckerrosarot dargestellt wird und ich dachte auch, dass dies so ein Buch wird. Aber es gibt eben für alles Grenzen und wichtig ist auch die Art der Darstellung. Wenn ihr Verhalten im Laufe der Handlung noch irgendwie diskutiert oder bewertet worden wäre oder irgendwas in die Richtung, dann wäre das Ganze auch wieder etwas anderes. Und ich habe das Buch zwar abgebrochen, aber habe mich im Vorfeld noch darüber erkundigt, wie es weitergeht. Und gegen Ende des Buches gibt es eine Stelle, die für mich sogar noch krasser ist, als die, die ich oben im Beitrag zitiert habe.

  6. Vanessa schreibt:

    Bei Instagram habe ich extrem viele Bilder zu dem Buch gesehen und muss sage, dass Cover hat mich total angesprochen. Außerdem ist Anne Freytag ja oft mit Adriana Popescu zu sehen, die ich in Stuttgart auf ihrer Lesung habe kennenlernen können (und deren Bücher ich LIEBE), deswegen wollte ich dem Buch noch eine Chance geben. Aber was ich hier lese (und die Enttäuschung nach ‚Mein bester Sommer‘) werde ich wohl weiterhin dran vorbeigehen. Die Jugendbücher von Adriana Popescu gehen mit dem Thema Sex ganz anders um, da wird es in ein Sommer und 4 Tage auch angesprochen, da ist sie aber noch Jungfrau und sagt halt, das sie noch nicht so weit. Das hat mir gut gefallen, weil ich finde in Jugendbücher muss man eben vorsichtig mit dem Thema umgehen, die Figuren müssen auch als Vorbild herhalten können!
    Was ich hier lese, schreckt mich total ab und passt gar nicht in das Genre! Gut, dass du es angesprochen hast, auch wenn das Cover toll ist.
    Vanessa

    • Liebe Vanessa,
      leider sind eben tolle Cover nicht alles. Und Adrianas Bücher liebe ich auch, so ist es nicht. Hätte auch gerne Annes Buch gemocht, aber es ist nun einmal wie es ist. Und wenn du schon „Mein bester Sommer“ nicht mochtest, dann wirst du das hier wohl wirklich erst recht nicht mögen.
      Liebe Grüße!
      Jess

  7. Huhu Jess,
    Protagonisten, die so tief sinken, dass sie im Prinzip mit offenen Beinen durch die Betten wandern, kann ich eh nicht verstehen. Ich meine, bei Krimis und Thriller kommt das ja auch hin und wieder vor, dass die Ermittler *innen sich durch die halbe Stadt vögeln, und meist steht da irgendwas davon, dass sie sich lebendig fühlen wollen und für 30 Sekunden Befriedigung zu spüren möchten und all das Dunkle aus dem Alltag zu kompensieren versuchen – aber ganz ehrlich? Diese Romane mit den kaputten Ermittler *innen find ich mittlerweile langweilig und sind mir zu niveaulos und ich hab mir geschworen, dass ich nie so tief sinken werde.
    Ich kann also gut nachvollziehen, wie es dir gegangen ist. Vor allem, wenn es wie hier, noch dazu kommt, dass vermehrt junge Mädchen das lesen. Das Buch werd ich von daher (mal abgesehen davon, dass es eh nicht so mein Genre ist) nicht lesen.
    Von dem verzogenen Gör fang ich gar nicht erst an.

    Liebe Grüße,
    Linda

    • umblaettern schreibt:

      Das heißt – mal abgesehen von der Situation, dass es der hier betreffenden Protagonistin keinen Spaß macht – jede Frau, die sich nicht der Monogamie verschreibt, ist „tief gesunken“? Und warum genau?

  8. Hallo :)

    Erst einmal: Danke! Ich finde es toll, dass Du hier ein in den sozialen Medien doch schon fast gehyptes Buch kritisch hinterfragst. Das fehlt mir oft in Rezensionen – und gerade im Jugendbuchbereich.

    Ich bin dabei keineswegs Verfechter einer „Alle Figuren müssen Vorbilder sein“-These, aber jede etwas kantigere Figur in Jugendbüchern sollte meiner Meinung nach einen reflektierenden Gegenpart erhalten. So kann man auch extreme Verhaltensweisen vorstellen, und dem Leser gleichzeitig zeigen, dass es eben so eine Verhaltensweise ist. In diesem Buch – und leider auch in vielen anderen Jugendbüchern – scheint das wohl nicht gegeben zu sein.

    Das ist schade, vergeben doch die Autoren so die Chance, a) kantige Charaktere zu zeigen und b) gleichzeitig die Leser zum reflektieren zu animieren. Und sollte nicht das auch ein Ziel von Jugendbüchern sein? Dass junge Leser die Dinge hinterfragen, die in den Büchern dargestellt werden? Oder gehe ich dabei nur von mir aus und meinen Lesereisen, die damals schon alles hinterfragt haben…?

    Wie dem auch sei: Danke für eine authentische Meinung in sachlicher Form – da macht das Diskutieren gleich noch mehr Spaß :)

    Liebe Grüße
    Sarah

  9. Kleiner Disclaimer vorab: Ich hab das Buch noch nicht gelesen, deswegen weiß ich gerade auch nicht konkret, wie sich das alles im gesamten Buch darstellt.
    Ein Kritikpunkt verwirrt mich aber etwas – dass es nicht gesund ist, viel Alkohol zu trinken und bisweilen auch gefährlich, da besteht keine Frage, aber was ist so schlimm daran, dass eine 17-Jährige (so alt war sie doch, oder bringe ich da etwas durcheinander?) viel Sex hat?
    Im Zitat klingt es zwar, dass sie es nicht direkt genießt, aber das scheint noch mal ein Thema für sich zu sein. In der Rezension klingt es eher, als sei es grundsätzlich falsch, mit vielen Personen zu schlafen; ich frag mich nur echt warum?
    Es mag nicht das Richtige für alle sein*,aber es ist auch eine eigene Entscheidung und manche wollen – und mögen – es einfach so, daran kann ich partout nichts Verwerfliches sehen.

    *Und bei solchen Themen bietet sich auch immer an, mehrere Charaktere zu haben – eine hat mehr Sex, die andere weniger und alles davon ist okay.
    In unserer sexualisierten Gesellschaft finde ich es auch wichtig zu zeigen, dass es in Ordnung ist, wenig/keinen/erst spät Sex zu haben – aber es ist eben nicht der einzig richtige Weg.

    • Ich glaube, das muss man auch im Zusammenhang mit der Textstelle sehen. Ich habe das Buch auch nicht gelesen, aber nach der Textstelle zu urteilen, legt die Person ja ein total selbstzerstörerisches Verhalten an den Tag und bräuchte eigentlich eine Therapie. Den anderen Kommentaren nach zu urteilen wird das anscheinend überhaupt nicht reflektiert und das halte ich in einem Jugendbuch dann doch für sehr bedenklich.

      • Wie gesagt, ob/dass sie den Sex nicht genießt, ist definitiv auch noch ein Thema, aber die Kritik in der Rezension las sich für mich so, als sei es grundsätzlich zu kritisieren, dass es ein junges Mädchen viel Sex hat. Daher rührt meine Verwirrung.

    • Ich glaube, hier ist der Knackpunkt, dass sie es eben nicht gerne tut. Es sind tatsächlich mehrere Stellen, in denen Sophie Sex hat oder kurz davor ist und in dem Moment denkt „ich hab eigentlich null Bock drauf, aber jetzt noch nein zu sagen, bringt ja jetzt auch nichts“ – und das finde ich falsch. Wäre sie ein Mädchen, das einfach gerne und viel Sex hat und es genießt und wirklich will, wäre das gar kein Problem für mich. Aber ihr Verhalten wird hier im Buch auch nicht wirklich bewertet und soweit ich aus Gesprächen darüber mit anderen rausnehmen konnte, gibt es am Ende auch keine „Moral von der Geschichte“ oder ähnliches.

      Sorry, wenn rüber kam, dass ich es kritisieren würde, wenn ein junges Mädchen zu viel Sex hat – das war nicht so gemeint, habe mich eher auf die beschriebenen Umstände bezogen.

      • Danke für die Klarstellung!
        Ich stimm dir zu, dass es kritisiert werden sollte, wenn Mädchen sich gezwungen sehen, Sex zu haben, und zu betonen, dass ein Nein jederzeit geäußert werden kann und zu akzeptieren ist. Nur wer will, die soll. :)

  10. Phewww – ich falle gerade (gelinde gesagt) aus allen Wolken. Die zitierten Stellen klingen leider wirklich so, als wäre Sophie ein „Problemcharakter“. :( … Ich hoffe sehr sehr sehr, dass sie im weiteren Verlauf der Handlung doch noch reflektiert und von einer Idiotin, die jeden Fehler zig mal macht, zu einer etwas liebenswürdigeren und reiferen Protagonistin wird…

    Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich bis eben unglaublich auf das Buch gefreut habe. Da ich den Soundtrack beisteuern durfte, war ich von Anfang an furchtbar neugierig, was Anne aus dieser Geschichte macht. Ich werde das Buch auf jeden Fall lesen, sobald ich wieder daheim bin (steht schon im Regal), aber ich bin jetzt doch ein wenig baff… :/ Ich werde mal ganz ohne Erwartungen an die Lektüre rangehen.

    Ich kann deine Bestürzung durchaus nachvollziehen, gerade im Jugendbuchbereich sollte doch mit etwas Bedacht als Themen wie Sexualität herangegangen werden. Allerdings finde ich es auch gut, wenn Tabus angesprochen werden (solange Fehlverhalten nicht gerechtfertigt wird, sondern andere Wege aufgezeigt werden….)

    Ich bin sehr gespannt, wie es mir mit „Den Mund voll ungesagter Dinge“ ergehen wird. Dir wünsche ich, dass dein nächstes Buch dich wieder – im positiven Sinne – aus den Socken haut. :-)

    Liebste Grüße aus Krakau und schönen Sonntag :-)
    Nana

  11. Liberiarium schreibt:

    Eines haben hier viele Kritiken gemeinsam: das Buch wurde nicht einmal ausgelesen. Hier werden meiner Meinung nach Stellen zusammenhanglos und unreflektiert kritisiert. Ich finde es gut, dass du Dinge in der aktuellen Literatur kritisch hinterfragst, aber ich finde es sehr schade, dass du das tust, ohne das Buch gelesen und beendet zu haben – wie kann man denn so wissen, ob da nicht noch die Wendung wartet? Denn das tut sie.
    Wie du schon herausstellst, weiß Sophie, dass sie sich nicht immer richtig verhält. Wie der Titel aber nun auch verrät, hat sie „den Mund voll ungesagter Dinge“. Bei ihr staut sich alles auf, ohne es herauszulassen und mit jemandem darüber zu sprechen. Sie kann also auch gar nicht anders, als in ihrer eigenen Blase zu reflektieren – oder eben nicht zu reflektieren. Das ändert sich.
    Das „Flittchen“ wird im gesamten Titel von Sophie weder positiv noch negativ konnotiert und sie weiß und sagt selbst, dass der Begriff nicht in Ordnung ist. So verhält es sich auch mit dem Sex mit Jungs. Und ja, eben nur mit Jungs, weil sich der Begriff von Sex für Sophie im Roman vollkommen verändern soll.
    Es ist schwierig, dass hier gleich dem Genre Jugendbuch ein Stempel aufgedrückt wird – dabei handelt es sich bei Anne Freytags Titel nicht einmal um einen vom Verlag als Jugendbuch beworbenen Titel, sondern um einen All-Ager. Sex darf meiner Meinung nach natürlich auch in Jugendbüchern vorkommen und beschrieben werden – bei Sophie sind die Erfahrungen eher bescheiden und das wird oft genug thematisiert, dass sie bei dem Sex mit Jungs keinen Spaß hat. Sie macht es trotzdem, weil sie nicht weiß, was sie sonst tun soll. Sie denkt: Sex sollte doch Spaß machen und toll sein, aber warum gefällt es MIR ausgerechnet nicht? Was stimmt mit MIR nicht? Warum das so ist, Sophie sich nach dem Sex mit Jungs leer fühlt, zeigt sich in der Geschichte durch die Beziehung zu Alex. Sophies Verhalten soll uneinsichtig sein – aber als Leser soll man auch verstehen, dass da etwas nicht stimmt. Sie befindet sich in einem Selbstfindungsprozess, doch dieser wird hier leider auf ein paar wenige Elemente verkürzt, weil das Buch eben nicht ausgelesen wurde. Dabei sind es die ungesagten Dinge, die im Vordergrund stehen und die entscheidend sind. Ich hätte mir gewünscht, dass du den Titel beendest und dann reflektierst – weil so die Stellen natürlich zusammenhanglos sind und daher auch von den Rezipienten eher negativ konnotiert werden.

    • Erst einmal danke, dass du hier deine Meinung mit mir bzw. uns teilst, ich finde es sehr interessant mal zu erfahren, wieso das Buch anderen gut gefallen hat!

      Ja, ich habe das Buch nicht zu Ende gelesen, aber eben mit anderen darüber gesprochen wie es weitergeht. Und ich sage ja gleich zu Anfang, dass ich es nicht beendet habe und damit tatsächlich nicht das Ganze wirklich zu hundert Prozent beurteilen kann. Allerdings habe ich mich einfach dazu entschlossen, nicht weiter zu lesen, weil ich schlichtweg nicht weiterlesen wollte.

      Und das Buch ist vielleicht ein All-Ager, wird aber in allen Buchhandlungen im Jugendbuch-Bereich präsentiert und als ein solches weiterempfohlen und verkauft. Den jungen Leserinnen ist es auch vollkommen egal, ob es ein All-Ager ist, das Cover sieht aus wie ein typisches Buch für Teenager, also wird es auch so gekauft – und auch wenn du (und vielleicht viele andere) die Botschaft hinter den Worten und der Handlung so aufnimmst, wie du sie beschrieben hast, bezweifle ich ehrlich gesagt, ob das andere auch tun. Dass Sex in Jugendbüchern ruhig thematisiert werden soll, weil es dazu gehört und völlig natürlich ist, habe ich ja nie so bestritten. ;-)

      Letztendlich bin ich eben leider nicht deiner Meinung, was aber doch völlig in Ordnung ist, da Geschmäcker verschieden sind, genauso wie die Interpretationen. Ich denke, dass es auch allen klar ist, dass das meine absolut subjektive Meinung ist. :-)

      Liebe Grüße,
      Jess

      • Ich muss hier auch mal was zu sagen, ich habe das Buch nämlich zu Ende gelesen und finde nicht, dass es da noch eine Wendung gibt. Gerade die Sache mit Nik am Ende zeigt für mich, dass Sophie überhaupt nicht dazugelernt hat, weil sie genau das gleiche schon wieder tut. Wieder weiß sie vorher, dass sie es überhaupt nicht möchte und lässt es trotzdem geschehen. Dass sie zwischenzeitlich rausgefunden hat, wieso ihr der Sex mit Jungs nicht gefällt, spielt da plötzlich keine Rolle mehr.

    • Ich stimme dir voll und ganz zu!
      Sex ist in diesem Buch ein schwieriges Thema und Sophie versteht einfach nicht, wieso die angeblich tollste Sache der Welt bei ihr nicht von Kerzen und Einhörnern begleitet ist. Sie ist mit großen Schritten Richtung Erwachsen Werden unterwegs und da ist es nur verständlich, dass sie manchmal nicht weiß, wieso sie etwas tut und überhaupt. Viele Jugendliche und auch noch Erwachsene (würde ich mal schätzen) machen Ähnliches durch. Dass sie immer wieder Sex hat, auch wenn es ihr nicht gefällt, liegt wohl auch mit dem „Nicht wahrhaben wollen“ und der Hoffnung zusammen, dass sie sich irgendwann „normal“ fühlt. Das Thema des übermäßigen Verzehr alkoholischer Getränke bei Jugendlichen ist noch so ein Diskussionspunkt. Es wird viel dagegen getan, aber ob die Maßnahmen Erfolge erzielen, weiß ich nicht. Ich lebe in einer Großstadt und sehe spätestens am Wochenende viele Jugendliche die sich auf offener Straße betrinken.
      Es gibt solche Jugendliche, wieso die nicht auch in einem Buch abdrucken?Es gibt doch auch genug Geschichten, in denen der Typ die Frau wie Dreck behandelt. Diese Bücher werden natürlich auch kritisiert, aber nehmen die Betroffenen das Buch wirklich als Regelwerk für ihr Verhalten?
      Jess, welche Stelle fandest du denn noch schlimmer im weiteren Verlauf? Ich finde, dass das Thema „Fremdgehen“ unter den Teppich gekehrt wird und es hat mich gestört, dass das ein bisschen als „Fremdgehen ist gar nicht so schlimm“ rüber gebracht wird.
      Nichtsdestotrotz finde ich es super, dass du deine Meinung verschriftlicht hast und anscheinend war die Diskussion ja auch mal nötig, bei der Beteiligung hier. :)
      Liebste Grüße,
      Elli

      • Hi Elli!

        Ich glaube ja, dass alles, was wir in Mengen lesen uns auch nachhaltig beeinflusst und gerade im New Adult Genre sehe ich viele Leserinnen, die nichts anderes mehr lesen und ich glaube schon, dass das etwas mit einem macht. Unterschwellig, aber genau das ist doch so gefährlich. Gerade eben auch weil es junge Mädchen sind, die vielleicht nicht so reflektieren können, wie ich mit 39 Jahren. Das ist auch gar kein Vorwurf. Konnte ich mit 18,19, Mitte zwanzig auch nicht. Ich finde aber eben schon, dass die Autoren da eine Verantwortung haben. Davon mal ab, glaube ich nicht, dass Sex eine wirklich so große Rolle bei jungen Frauen spielt, als dass sich alles nur noch darum drehen müsste. Mir fehlen da einfach auch andere Themen, die das ergänzen.

        Liebe Grüße,
        Steffi

  12. Liebe Jess!

    Ich kenne das Buch nicht und hatte es nach dem Klappentext auch nicht auf meiner Liste, aber ich weiß, welches Problem du meinst. Ich bin schon seit einigen Monaten sehr kritisch, was Jugendbücher und besonders New Adult angeht. Habe dazu auch schon 1-2 Kolumnen auf meinem Blog geschrieben.
    Kürzlich habe ich „Paper Princess“ verrissen, von dem 95% aller Leserinnen total begeistert sind, während ich es ehrlich gesagt für vulgären Pornoscheiß halte, indem es total sexy ist, wenn junge Männer junge Mädchen wie ein Stück Scheiße behandeln.
    Ich bin ehrlich gesagt auch etwas hilflos. Natürlich sind die Geschmäcker verschieden. Dem einen gefällt Krimi YX, der andere fand ihn zu vorhersehbar. Alles vollkommen in Ordnung. Aber in diesem Fall sehe ich das mittlerweile kritischer, weil ich wirklich absolut nicht nachvollziehen kann, was junge Frauen an diesen Büchern finden. Es gibt keine Charakterentwicklung, oft nicht mal eine richtige Handlung und Romantik und Liebe ist uninspirierenden Sexszenen gewichen. Nix gegen eine gute Sexszene. Aber das ist mittlerweile alles beliebig und total unrealisitisch.
    Ich kann nur beten, dass dieser Trend irgendwann mal vorbei ist, wie eben alle Trends. Das keiner mehr Vampirgeschichten lesen will, konnte sich ja lange auch keiner vorstellen.

    Und ja, natürlich dürfen junge Frauen über ihren Körper befinden, wie sie möchten. Wenn sie oft wechselnde Sexualpartner für erstrebenswert halten, dann ist das okay. Nur kommt das in den Büchern eigentlich so rüber, als würden sie das eben nicht wollen und dann frage ich mich einfach, wieso sie es tun. Mir fehlt da oft der ernstgemeinte Diskurs, eine tiefergehende Charakterbeschreibung, wieso etwas so ist, wie es ist.

    Wenn man über so etwas unreflektiert schreibt, dann bleibt letztlich nichts mehr übrig und dann kann ich gleich „Shades of Grey“ lesen. Dann muss ich wenigstens nicht so tun, als würde ich das Buch wegen der Handlung lesen.

    Was ich schade finde ist, dass die paar Autoren die guten New Adult schreiben, fast untergehen. Ich habe zum Beispiel gestern den neuen Colleen Hoover angefangen und schon nach einem Kapitel bin ich so glücklich, weil ich sehe… es liegt eigentlich nicht am Genre. Man KANN gute Geschichten schreiben mit tiefgründigen Figuren, die ein Schicksal haben, was einen berührt.

    Liebe Grüße,
    Steffi

  13. Ohje! Ich stand heute noch vor dem Buch und habe mir den Klappentext durchgelesen und es dann wieder zurück gestellt, weil ich ein komisches Gefühl hatte und mir nicht vorstellen konnte, dass mich die Geschichte umhaut – jetzt sehe ich es hier bestätigt. Da mich die Stellen ebensfalls schockieren und es mir ebenfalls schwer fällt, einen Charakter mit solchen Eigenschaften zu ertragen, hat das Buch wohl erstmal bei mir verloren und wird in nächster Zeit wohl keine Chance bekommen. Da gibt es einfach zu viele andere tolle Bücher, die noch warten. :)

    Danke, für deine Meinung. Ich finde es super, dass du versuchst, deine Gedanken zum Werk mit einer Woche Abstand zu reflektieren und vollkommen verständliche Argumete vorbringst. Meiner Meinung nach sind solche Szenen, wie du sie zitiert hast, in einem Jugendbuch vollkommen fehl am Platz und sollten doch mit etwas mehr Bedacht in die Geschichte eigebracht werden. Da muss man auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn man ein Buch mal abbricht – Lesezeit ist kostbar und wenn man einfach nichts lesenswertes an einem Buch findet, dann sollte man es einfach bleiben lassen.

    Ganz liebe Grüße,
    Jen

  14. Hi, ich habe das Buch nicht gelesen, werde es nach deinen Schilderungen auch nicht mehr anfassen, es sei denn ich verfasse eine Abhandlung über schädliche soziale Einflüsse auf die Jugend. Die zitierten Stellen sind schlimm. Der weibliche Hauptcharakter wird auf sexistische Klischees reduziert. Dem Leser wird dabei suggeriert, dass das okay ist, dass es in Ordnung ist sich so zu verhalten und nichts daran zu ändern. Reflektion, wer braucht das schon? Lern bloß nichts aus deinen Fehlern. Geht gar nicht. Danke für deine ausführliche Erklärung.

  15. Ich habe das Buch gestern zu Ende gelesen und muss dir da zustimmen, dass ich viel erwartet hatte und dann etwas schockiert vom Inhalt war. Dabei finde ich das was du ansprichst gar nicht SO kritisch, wie das, was noch folgt. Aber soweit ich das mitbekommen habe, hast du den Text von Herr Booknerd gelesen, oder? Dem habe ich nämlich nichts hinzuzufügen :D
    Was die Textstelle angeht die du ansprichst: Ich fänd es völlig okay, wenn die Protagonistin mit irgendwelchen Kerlen schläft, weil sie Lust drauf hat. Jeder wie er mag. Aber wie du schon sagst, wenn sie selbst in dem Moment schon weiß, dass sie es eigentlich gar nicht möchte und es trotzdem durchzieht, dann bringt das definitiv nicht die richtige Message rüber. Jugendliche sollten nämlich echt nicht den Eindruck haben, dass man nicht mehr „nein“ sagen kann, sobald man jemanden „ermutigt“ hat. Es gibt auch gegen Ende noch mal eine solche Stelle, wo ich auch einfach nur fassungslos war. Da steht wortwörtlich: „Dann ist er in mir. Okay, jetzt gibt es kein Zurück mehr.“
    Das Buch hätte wirklich gut werden können und die ersten 100 Seiten hat es mir auch echt gut gefallen, aber dann kamen immer mehr Dinge dazu, die einfach sehr problematisch sind und völlig falsch behandelt werden. Eine Hauptfigur muss nicht perfekt sein und natürlich darf sie Fehler machen, aber dabei sollte man als Autor dann doch darauf achten, dass im Nachhinein klargestellt wird, dass es falsch war und man es so eben NICHT machen sollte. Das ist hier aber in keinem Fall gegeben und das finde ich absolut nicht okay.
    Schön, dass es immer mehr Leute gibt, denen sowas auffällt und die sich dazu auch äußern.

    • Yes, Fabians Text habe ich auch gelesen und stimme ihm auch zu 100% zu. Und die Stelle gegen Ende, die du ansprichst, habe ich tatsächlich im Nachhinein dieses Beitrags noch entdeckt und ja, die Stelle ist tatsächlich nochmal ne ganze Spur schlimmer als die von mir angesprochenen Stellen. Ich hatte dann noch überlegt, ob ich die im Nachhinein noch in den Beitrag packe, mich aber dagegen entschieden, weil ich nicht zusammenhanglos diese Stelle bewerten wollte. Ich bin jetzt sehr froh, dass Fabian 1. das gesamte Buch gelesen hat und so 2. darüber geschrieben hat. Das ist selbstverständlich nochmal ne Spur authentischer, als mein Beitrag, zumal ich eben ja nicht das gesamte Buch gelesen habe.

  16. Pfieuw – jetzt bin ich doch etwas geplättet, wo ich mich doch so auf Anne Freytags neues Buch gefreut habe. Nach „Mein bester letzter Sommer“ dachte ich, sind die Autorin und ich auf einer gemeinsamen Lesewelle. Aber nun?

    Ich kann mir vorstellen, dass Anne Freytag sicherlich einiges absichtlich überspitzt dargestellt hat, um zu schockieren bzw. junge Leserinnen zu wecken, die sich vielleicht ähnlich verhalten wie die Protagonistin. Das mit dem Kraftausdruck „Flittchen“ finde ich nicht weiter schlimm, wenn man bedenkt, wie sich die Jugend heutzutage selbst bezeichnet bzw. sich Freundinnen gegenseitig betiteln, aber die Zeilen mit den auseinander gespreizten Beinen ist tatsächlich sehr direkt. Ich denke jedoch, dass der Wortlaut der Autorin tatsächlich ein bestimmtes Ziel verfolgt.

    Ob ich damit richtig liege oder komplett auf dem Holzweg unterwegs bin, werde ich feststellen, wenn ich das Buch selbst lese. Grundsätzlich stacheln mich deine Zeilen ja förmlich an, eigene Leseerfahrungen zu sammeln. In der Regel lasse ich mich davon nicht beeinflussen, auch wenn ich natürlich etwas vorsichtiger vorgehe. Gerade wenn ich weiß, dass eine bestimmte Person einen ähnlichen Lesegeschmack hat.

    Nun ja, ich werde berichten. Vielleicht sehen wir uns bis dahin in Leipzig.

    Liebe Sröbergrüße
    Steffi

  17. Lena schreibt:

    Ich möchte nur einmal kurz danke für deinen Beitrag sagen! Ich kann absolut verstehen, dass du dir nicht sicher warst, wie die Reaktionen auf deinen Post sein werden, mir persönlich hat er aber absolut geholfen, mich gegen das Buch zu entscheiden. Auf Instagram & Co habe ich das Buch immer wieder gesehen und es wurde meistens gelobt, sodass ich kurz davor war, mir die Geschichte zu kaufen, aber nun…Nein, so etwas will und werde ich nicht lesen! ;)

Ich freue mich, wenn ihr meinen Beitrag kommentiert!

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