Auf dem Litcamp 2017 in Heidelberg

Litcamp17 HeidelbergIrgendwann im Januar hatte ich recht spontan beschlossen, dass ich dieses Jahr unbedingt zum Litcamp nach Heidelberg fahren wollte. Zum einen, weil so viele tolle BloggerkollegInnen mit dabei sein sollten und zum anderen, da so viele bereits im letzten Jahr davon begeistert waren. Und ein Wochenende, bei welchem man viele Gleichgesinnte treffen und sich zwei Tage lang über Bücher austauschen kann? Es gibt doch sicherlich nichts Besseres!

Letztes Wochenende habe ich also meinen Heimaturlaub mit dem #litcamp17 beendet – schließlich hat sich ein Urlaub davor angeboten, wenn man eh schon von Berlin in den Süden Baden-Württembergs und damit in Heimatnähe fahren muss – und möchte euch hiermit meine Eindrücke teilen.

Hallo Heidelberg!

Während bei vielen die Anfahrt nach Heidelberg im Zugchaos ausartete oder z.B. die liebe Ramona wegen dem vorigen Unwetter gar nicht erst anreisen konnte, blieb mir das Chaos glücklicherweise erspart – aber meine Fahrt war eben auch nicht so weit. Also ging es bei sehr heißen 30 Grad über Karlsruhe nach Heidelberg, wo ich dann auch schon Freitagabend unsere airbnb-Wohnung bezog und schließlich Tati und Karina von NetGalley am Bahnhof abholen konnte. Lustigerweise kamen die beiden nach dem ganzen Chaos im gleichen Zug an. Nachdem es uns in der Wohnung dann auch viel zu warm war, nutzten wir die übrige Zeit am Abend noch dazu, um einen ersten Spaziergang durch Heidelberg zu machen. Dieser artete dann überraschenderweise etwas aus, war aber trotzdem schön. Schließlich gibt es kaum was Schöneres als Sommernächte.

Endlich auf dem #litcamp17

Teilnahmekarte Litcamp17Samstagmorgen ging es dann endlich in das Dezernat 16 , wo das Litcamp wieder stattfinden sollte und schon bei der Anmeldung wurden wir von lieben Hilfsengeln begrüßt: Saskia und Anabelle. Schnell die Teilnahmekarte ausgefüllt, samt der Hashtags und ab zum Kaffeestand für den allerersten Kaffee des Tages. Dann konnte auch schon losgetwittert werden und der offizielle Startschuss für das Litcamp fiel von Organisatorin Susanne Kasper und ihrem Orgateam. Nach der Begrüßung, einigen Hinweisen und der Vorstellung aller Teilnehmer ging es auch schon an die Vorstellung und Planung der Sessions.

Meine besuchten Sessions

#1: Blogger / Vernetzung / Gastbeiträge /Selfpublisher

Schon die erste Session wäre nicht unbedingt meine erste Wahl gewesen, aber zu diesem Slot war es die einzige, die zumindest etwas mit dem Bloggen zu tun hatte. Leider ging es hier vor allem darum, den Autoren – vorranging Selfpublishern – zu erklären, weshalb Blogger eben nicht auf viele Anfragen antworten können oder wollen und dass es sicherlich so einige Perlen unter den Selfpublishern gibt, aber Blogger generell auch neben dem Hobby (!) einen Vollzeitberuf ausüben, Bücher lesen möchten (tatsächlich auch selbst gekaufte!) und deswegen nicht unbedingt diese Perlen suchen können. Auf zwei Aspekte wurde besonders hingewiesen: auch Autoren müssen nun einmal etwas in ihre Arbeit investieren (Marketing, Webseite, Lektorat, Korrektorat, Cover, etc.), um etwas zurück zu bekommen und gerade dann würde sich ein Zusammenschluss mehrerer Autoren bestens eignen, um gemeinsames Marketing zu betreiben.

#2: LeserInnen – Plattformen im Internet

Diese Session haben wir gemeinsam mit Karina von NetGalley angeboten bzw. bei der Sessionplanung haben wir noch Stefan Mesch dazu geholt, da er ein ähnliches Thema direkt nach uns anbieten wollte – also wieso nicht gleich zusammenschließen? Wir wollten in unserer Session einfach über die verschiedensten Lesernetzwerke diskutieren, wo sich Leser und Autoren am liebsten aufhalten, welche Vor- und Nachteile es gibt, usw. Ein sehr interessanter Austausch und mit den verschiedensten Teilnehmern – ich fand es klasse! :-)

#3: Kreativeres Buchbloggen

Bianca wollte eigentlich mit uns darüber diskutieren, wie wir kreativer bloggen können und hier habe ich mir sehr viel versprochen – schließlich waren so viele tolle BuchbloggerInnen da, eine tolle Gelegenheit also, sich auszutauschen! Doch nach den ersten Minuten kam leider eine gewisse Ernüchterung: Bianca – so engagiert sie auch war – erzählte davon, wie ein Blogbeitrag aufgebaut werden sollte und wie wir unsere Leser (durch sehr einfältiges Clickbaiting) auf unsere Blogs locken. Dass ein Blogpost im Idealfall nicht nur aus einem Fließtext, sondern auch aus Fotos bestehen sollte, dürfte jedem Einzelnen klar gewesen sein. Auch ihre – zugegebenermaßen vielen – Vorschläge kannte ich bereits und habe sie auf anderen Blogs gelesen. Kreativ waren sie allemal, aber neue Impulse oder Ideen habe ich in dieser Session leider nicht mitnehmen können. Was ich sehr schade fand, war, dass hier die angekündigte Diskussion über ein kreatives Buchbloggen gar nicht erst aufkam. (Was aber nicht an Bianca selbst lag!)

#4: Diskussionsrunde Klischees

Passend zu ihrem noch vor dem Litcamp veröffentlichten Post über Klischees in New-Adult-Büchern, bot Anabelle gemeinsam mit Saskia eine Diskussionsrunde zu Klischees in Büchern an. Gerade für mich als YA-/NA-Leserin ein unheimlich interessantes Thema und auch die Diskussionsrunde fand ich sehr spannend, vor allem, weil alle ihre persönlichen Lieblingsgenres und die dazugehörigen typischen Klischees vorgestellt haben. Bei mir wären das also Liebesromane und das schüchterne Mauerblümchen, welches unfassbar hübsch ist, sich dessen aber nicht bewusst ist und dazu der unheimlich böse Bad Boy – tätowiert natürlich. Doch bei all der Aufregung über die Klischees haben wir festgestellt, dass man sich ja manchmal doch irgendwie genau diese Klischees in irgendeiner Form wünscht, da sie zu den Genres dazu gehören. Für mich persönlich kommt es gerade bei den Liebesromanen drauf an, wie die Klischees sich in die Handlung einfügen und wie die AutorInnen sie verwenden oder ummodeln. So interessant die Runde angefangen hat, so haben wir sie etwas vorzeitig verlassen, weil sie irgendwann so groß wurde, dass sich da recht schwer diskutieren ließ.

#5: Kommunikation zwischen Bloggern & Verlagen

In dieser Session wollte Caterina von arsEdition etwas darüber erfahren, wie Blogger die Kommunikation zu Verlagen sehen, was sie sich wünschen würden, etc. Eine sehr interessante Session in kleiner Runde, bei welcher wir uns viel austauschen konnten und die meiner Meinung nach beiden Seiten – uns Bloggern als auch den Verlagen – etwas mitgegeben hat. Und in welcher ich zugegebenermaßen sehr viel geredet habe.

#6: Fuck Marketing

Eine sehr kontrovers diskutierte Session, die von Susanne Kasper angeboten wurde und welche es auch im Livestream zu verfolgen gab – könnt ihr auch gerne nachschauen. Das Thema der Session sagt eigentlich schon alles über die Session aus: Marketing ist generell scheiße und alle, die darauf anspringen erst recht. Ich bin ja eigentlich jemand, der gerne diskutiert, aber diese Session musste ich tatsächlich noch vor dem Ende verlassen, weil es mir irgendwann zu blöd wurde. Da wurde sehr schnell alles pauschalisiert und über einen Kamm geschert und wir Blogger und Leser, die es tatsächlich wagen, Unterhaltungsliteratur (erst recht Liebesromane) zu lesen, lassen uns ausnutzen und sind einfach nur scheiße. Übrigens schreibe ich „scheiße“ hier nur deswegen, weil es in dieser Session quasi dauernd benutzt wurde.

„Lesen und lesen lassen“ gilt genauso wie „Leben und leben lassen“. Selbstverständlich wollen Produkte, auch Bücher, vermarktet werden, natürlich ist nicht alles so toll, wie es uns verkauft wird – aber ich würde mal behaupten, dass sich jeder dessen bewusst ist, dass Marketing/Werbung existiert und jeder selbst für sich entscheiden kann, was er kaufen möchte oder wem er was abkauft.

Sessions über Literatur – oder doch nicht?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir ein Litcamp sehr viel… literarischer vorgestellt habe. Wobei „literarisch“ vielleicht der falsche Begriff ist – vielmehr habe ich mehr Bücher- und Leserthemen erwartet. Dadurch, dass (meiner Meinung nach) sehr viele Autoren anwesend waren, gab es sehr viele Sessions zum Autorendasein. Es ging um das Schreiben, Plotten, sich vermarkten, etc. Alles sicherlich interessante und für Autoren wichtige Themen, doch für mich als Blogger und Leser eher weniger aufregend. Das an sich hätte mich aber gar nicht mal groß gestört, wenn die vielen Sessions, die parallel abgelaufen sind, besser aufgeteilt gewesen wären. So gab es Blöcke, in denen mich nichts interessiert hat und dann z.B. Samstag um 17.30 Uhr alle für Leser interessanten Sessions gleich auf einmal und zeitgleich. Anscheinend wurde die Sessionplanung im letzten Jahr besser gehandhabt, da die einzelnen Sessions nach Themengebieten aufgeteilt wurden – diesmal nicht, was ich sehr schade fand.

Da das Litcamp auch mein allererstes Barcamp war, war ich auch etwas überrascht über die sehr vielen themenfremden Sessions. Natürlich kann es total interessant und anregend sein, etwas über neue und unbekannte Themen zu erfahren, aber bei einem Barcamp über Literatur würde ich doch lieber etwas darüber erfahren oder eben ungefähr in diesem Themengebiet bleiben. Mein ganz persönliches Barcamp-Fazit ist nach diesem ersten Mal also, dass das wahrscheinlich eher weniger etwas für mich ist.

Abseits der Sessions

Doch wieso ich es nicht bereue, in Heidelberg gewesen zu sein und weshalb ich vielleicht nächstes Jahr wiederkomme? Ganz einfach: wegen der tollen Zeit, die ich abseits der Sessions hatte. Ich durfte wunderbare Menschen wiedertreffen, kennenlernen und mit ihnen Zeit verbringen. Tatsächlich hatte ich die anregendsten Gespräche und Diskussionen ganz außerhalb der offiziellen Sessions, denn wir gestalteten mit „Entspannt bloggen“ einfach unsere eigene Session. Deswegen an dieser Stelle ein Dankeschön an Petzi, Alex, Stefanie, Steffi, Caro und Bettina! Ähnlich wie schon bei der Buchmesse war es auch hier wieder ein Highlight, so viele Büchermenschen aus diesem Internet treffen zu dürfen. Und wenn sie sich dann offline als genauso sympathisch entpuppen wie online – umso besser!

#Litcamp18?

Das Bauchgefühl sagt eher nein, weil mich die Sessions wirklich ein wenig enttäuscht haben. ABER: die Teilnehmer sind es, die das Litcamp ausmachen, deswegen würde ich mal behaupten, dass ich ganz spontan entscheiden werde, ob ich 2018 wieder dabei bin. Noch ist ja ein wenig Zeit bis dahin! Übrigens findet das #litcamp18 dann am 16./17. Juni 2018 statt!

5 Gedanken zu “Auf dem Litcamp 2017 in Heidelberg

  1. Hallo :-)
    Ein toller Beitrag über das Litcamp, der gleich wieder tolle Erinnerungen an das Wochenende weckt, auch wenn es noch gar nicht so lange her ist. Für mich positiv ist auch, dass du ausführlich über die Sessions berichtet hast, bei denen ich nicht dabei war! (Ich glaube, die einzige gemeinsame Session war „Fuck Marketing“. Ich habe den Saal zwar nicht verlassen, kann deine Beweggründe dazu absolut verstehen :-)) Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich den weiten Weg aus dem Norden nochmal auf mich nehmen würde, weil ich ebenfalls „mehr“ erwartet habe, aber du hast schon Recht: Allein der Menschen wegen ist es das wert. Übrigens habe ich mich sehr gefreut dich kurz kennengelernt zu haben :-)
    Liebe Grüße,
    Giv.

  2. Liebe Jess,

    ich mag deinen Beitrag sehr! Vor allem auch die Auflockerung durch die verschiedenen Tweets finde ich suppiii. Meine Meinung deckt sich ja sehr mit deiner und ich bin schon gespannt, ob es uns nächstes Jahr wieder nach Heidelberg verschlägt. :D

    Liebste Grüße,
    Tati

  3. Liebe Jess,

    sehr interessanter Beitrag und jetzt kann ich mir etwas unter der Litcamp vorstellen.
    Ich kann Tati nur zustimmen, dein Beitrag ist inhaltlich und optisch sehr gut.
    Liebe Grüße vom den Vorlesern

Ich freue mich, wenn ihr meinen Beitrag kommentiert!

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